AKW Wyhl: 30 Jahre nach der Bauplatzbesetzung / Ein Rückblick von Axel Mayer

AKW Wyhl: 30 Jahre nach der Bauplatzbesetzung / Ein Rückblick von Axel Mayer


Ein Rückblick von Axel Mayer

AKW Wyhl: Erfolgreicher Widerstand gegen das AKW im Wyhler Wald

Natürlich war ich damals in Wyhl dabei.
Für den jungen Lehrling im Emmendinger Vermessungsamt war es doch keine Frage, sich gegen die Bedrohung von Mensch, Natur und Heimat, gegen das Bleichemiewerk in Marckolsheim und später gegen das AKW in Wyhl zu engagieren. 1974 bin ich mit meiner Freundin Barbara auf der Vespa zur ersten Besetzung nach Marckolsheim gefahren. Hätten wir uns damals nicht mit so vielen Menschen engagiert, dann wären in den letzten 30 Jahren über 300 Tonnen Blei auf den Kaiserstuhl und das elsässische Ried herabgeregnet. Hätten wir uns später in Wyhl nicht gewehrt, dann stünde im Erdbebengebiet am Oberrhein ein weiteres, gefährliches AKW.

In Wyhl haben wir die weltweiten Zerstörungsprozesse verlangsamt.
30 Jahre nach Wyhl bleiben Erinnerungen und grenzüberschreitende Freundschaften. Es bleiben Erinnerungen an die besetzten Plätze in Wyhl, Marckolsheim, Gerstheim, Kaiseraugst (und später das Gencamp in Buggingen) ans Wyhler Freundschaftshaus, die Volkshochschule Wyhler Wald, an engagierte Frauen und Männer, an Kaiserstühler Winzer, Forchemer Büre und Freiburger Freaks, an Menschen und Gegensätze wie Lore Haag und Hans Filbinger, an den mühsam glücklichen Tag der zweiten Wyhler Besetzung, an die Blüte der alemannischen Regionalkultur, an die Überwindung der nationalen Grenzen und ein Stück gelebtes Europa, an mancherlei Gesichter, an Reden, Streit, Gespräche und Lieder. Die Vergangenheitsverklärung bricht Ecken und Kanten der Erinnerung.

"Mir keije mol d´Gränze über de Hüfe un danze drum erum"
hieß es in einem unserer Lieder von François Brumbt. Der damaliger Traum von einem schlagbaumlosen Europa ist heute am Oberrhein Realität. In Wyhl und Marckolsheim haben wir 30 Jahre nach Kriegsende auch die alte "deutsch-französische Erbfeindschaft" überwunden. Und da war nicht nur das kämpferische "Nai hämmer gsait", sondern auch das Ja zu damals absolut neuen und exotischen Dingen wie Solar- und Windenergie bei den ersten Sonnentagen in Sasbach. Wer hätte die unglaublichen Entwicklungen im Bereich alternativer Energien damals für möglich gehalten? Und dennoch gibt es immer noch die Bedrohung durch das AKW Fessenheim, und das geplante atomare Endlager in Benken am Rheinfall bedroht die Menschen entlang des Rheins. Nicht nur wir haben aus Wyhl gelernt. Wenn in Zukunft neue Euroreaktoren nach Fessenheim gebaut werden sollen, wenn in Deutschland eine andere Regierung den "Ausstieg aus dem Atomausstieg" plant, dann werden wir uns mit geschickteren neuen Durchsetzungsstrategien auseinander zu setzen haben und wir werden uns wehren. Wyhl und Marckolsheim haben mein Leben verändert. Aus dem langhaarigen Vermessungstechnikerlehrling wurde der grau-und kurzhaarige Kreisrat und BUND-Geschäftsführer, der sich immer noch für Natur, Umwelt, Frieden, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit engagiert, der manchmal über den Hunger in der Welt, Kriege für Öl und die schleichende Zerstörung seiner Heimat am Oberrhein verzweifelt und dennoch immer noch Kraft aus Wyhl, den damaligen und manchen aktuellen Erfolgen zieht.
Auf den besetzten Bauplätzen habe ich meine Lebensbatterie geladen. Ob diese Batterie ein Leben lang hält, wird sich zeigen...

Axel Mayer


Der Umweltbote

(Eine alte) Informationen der BADISCH - ELSÄSSISCHE BÜRGERINITIATIVEN



Was geschah bisher um Wyhl

Kein Atomkraftwerk in Wyhl und anderswo
Aus einem alten Flugblatt der BADISCH-ELSÄSSISCHEN BÜRGERINITIATIVEN


AKW / KKW Wyhl: Meinrad Schwörer, Axel Mayer, Peter Book...




Wyhl und die Anti-Atomkraft-Bewegung


Quelle: Martin Oversohl / Deutsche Presseagentur /DPA März 2009
Wir danken Herrn Oversohl für die Abdruckerlaubnis


Da ist immer noch Stolz
in seiner Stimme. Stolz, gemeinsam etwas vollbracht zu haben im Kampf David gegen Goliath. Axel Mayer, so etwas wie ein Veteran der Anti-Atomkraft-Bewegung, war dabei, als sich eine ganze Region - Bauern, Studenten, Beamte - auflehnte gegen den geplanten Bau eines Atom-Meilers vor ihrer südbadischen Haustür. Mayer trug 1975 seinen Teil zum Mythos von Wyhl bei - und er marschierte am 28. Februar 1981 an der Seite von 100 000 anderen mit bei den größten Anti-Atom-Protesten der deutschen Geschichte in Brokdorf an der Elbe. Jetzt spürt er wieder so etwas wie ein Aufleben der Proteste. „Sie sind im Aufwind“, sagt der 53-jährige Arbeitersohn.

Ende der 1960er Jahre hatte selbst Mayer die Kernkraftwerke noch akzeptiert. „Als Kind und Schüler habe ich die Atomkraft unterstützt“, sagt er. Kernkraftwerke galten schließlich als sicher, als wirtschaftlich, als umweltfreundlich, als Segen für die Menschheit. Aber dann sollte ein Bleichemiewerk in Marckolsheim gebaut werden - und der langhaarige Vermessungstechnikerlehrling ging auf die Straße.

„Für mich war es doch keine Frage, sich gegen die Bedrohung von Mensch, Natur und Heimat, gegen das Bleichemiewerk und später gegen das AKW in Wyhl zu engagieren.“ Also schwang sich Mayer 1974 mit seiner Freundin auf den Motorroller und fuhr zur ersten Besetzung nach Marckolsheim.


„Nai hämm'r gsait (Nein haben wir gesagt)“ - unter dem alemannischen Motto wird die 3613 Einwohner zählende Gemeinde Wyhl am Kaiserstuhl wenig später zum Symbol für den Widerstand gegen technische Klötze.
Hunderte von Menschen stellen sich den anrückenden Baumaschinen entgegen, darunter viele Weinbauern, die Angst hatten, dass die Schwaden der Kühltürme ihren Weinbergen die Sonne wegnehmen, aber auch Landwirte mit ihren Traktoren. Die Kernkraftwerk Süd GmbH will auf dem Gelände zwei Kraftwerksblöcke bauen.
Die Protestler besetzen im Februar 1975 den Bauplatz, wenige Tage später müssen sie Polizisten, Wasserwerfern und Hundestaffeln weichen. Doch der erzwungene Friede währt nicht lange. Nach einer Kundgebung bewegen sich 28 000 Menschen auf das mit Stacheldraht eingezäunte Gebiet zu, etliche überwinden die Absperrung.

Erst knapp neun Monate später verlassen die letzten Demonstranten den Bauplatz wieder, nachdem sie dort ein „Freundschaftshaus“ errichtet, eine „Volkshochschule Wyhler Wald“ gegründet, nächtelang zusammengesessen und diskutiert hatten. „Wer dort saß, der war sich sicher, dass sein Protest rechtens war“, erinnert sich Mayer. 1978 gibt die Regierung das „Aus“ für Wyhl bekannt - mangels Bedarfs. „Wir haben erlebt, dass man mit einer illegalen Besetzung etwas erreichen kann“, sagt Mayer.

Den Erfolg der badisch-elsässischen Bürgerinitiativen auf dem besetzten Bauplatz feiert nicht nur er als Geburtsstunde der deutschen Anti-Atomkraft-Bewegung und als Wiege der Grünen. „Der Umweltschutz war damals ein exotischer Gedanke, er brauchte diesen Schub, und die Zeit war reif.“


Der Region verpasst der Protest mit seinem frühen Ja zu alternativen Energien eine Art ökologisches Wirtschaftswunder: Forschungsinstitutionen werden rund um Freiburg aus der Taufe gehoben, die Stadt im Breisgau gilt heute als Mekka der Solarindustrie.

„Friedlich war der Protest damals, tief verwurzelt und solidarisch“, erinnert sich Mayer, der heute als Geschäftsführer des BUND-Regionalverbands Südlicher Oberrhein „sein Hobby zum Beruf“ gemacht hat. Dennoch, ein bisschen Wehmut meint man aus seiner Stimme zu hören. „Ganz im Gegensatz zu den Protesten in Brokdorf Jahre später.“

Brokdorf - ein Schlagwort, ähnlich wie es heute Gorleben ist mit seinen regelmäßigen Massenprotesten gegen das Zwischenlager und die Transporte der abgebrannten Brennstäbe. Der Erfolg der Wyhler war den Atomkraftgegnern in Norddeutschland nicht vergönnt: „Die Betreiber hatten aus den Fehlern von Wyhl gelernt, es gab eine bessere Propaganda und massive Aufrüstung bei der Polizei“, sagt Mayer, der sich damals mit einem Bus auf den Weg in den Norden gemacht hatte. Wasserwerfer wurden vor genau 28 Jahren gegen die Demonstranten auf dem Acker eingesetzt, es hagelte Stahlkugeln gegen Polizisten. Es sind vor allem diese Bilder der Gewalt, die im Gedächtnis hängengeblieben sind.
Die Kieler Regierung zog mit mehr als 10 000 Beamten das bis dahin größte Polizeiaufgebot in der deutschen Geschichte zusammen. Etliche Polizisten und Demonstranten wurden verletzt. Brokdorf, das steht für eine Niederlage der Bewegung. Für viele politisch Bewegte mag dieser Frust der Anfang vom Ende ihres Engagements gewesen sein.

Dennoch: Hin und wieder blitzte auch in den Jahren danach noch der Erfolg auf. „Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv“ schrieben sich die Atom-Gegner auf die Schilde. „Der Bau der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf Mitte der 80er Jahre konnte verhindert werden“, sagt Mayer. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in der Ukraine schürte weitere Ängste vor einem deutschen GAU, und immer wieder sorgt seit Mitte der 1990er Jahre der Protest gegen die Castor-Transporte mit abgebrannten Brennelementen aus der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague ins Zwischenlager Gorleben für massiven Protest.

Nach wie vor lacht hier und dort eine rote Sonne auf gelbem Grund, der berühmte „Atomkraft? Nein Danke!“-Aufkleber, der eine Generation geprägt hat. Der Sticker hat seinen Platz im Berliner Deutschen Historischen Museum gefunden.

„Man fühlt sich belogen und betrogen,“ schimpft Mayer, als das Gespräch auf den Atomkonsens kommt, der Absprache von Politik und Atomwirtschaft über einen Ausstieg bis etwa zum Jahr 2021. Mayer spürt so etwas wie damals, in Wyhl, eine Aufbruchstimmung, die die Massen wieder auf die Straßen treiben könnte. „Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung wieder stärker wird.“



Walter Mossmann
IN MUEDERS STÜBELE

In Mueders Stübele, do goht der hm hm hm
In Mueders Stübele, do goht der Wind.
Der Wind sait d’Wohret, nit äso wie d’Zittig sait
Der Wind sait d’Wohret, ich loos em Wind.
Der Wind sait, d’Büre, de hän jetz hm hm hm
Der Wind sait, d’Büre, de hän jetz Kriag.
Der Kriag, der dundret nit, kunnt nit vum Üsland här
Der Kriag, der kunnt üs dinem aigne Land.
Sin nit d’Franzose, s’isch’s große hm hm hm
Sin nit d’Franzose, s’isch’s große Geld.
Die riiche Herre hän d’Büre üsbrücht
Die brüche Arwetslitt fir in d’Fabrik.
Wel der Atomstrom, der git viel hm hm hm
Wel der Atomstrom git viel Profit.
Zerscht kunnt’s Atomkraftwerk, un dann kunnt d’Großchemie
Un bis dü «Au!» g’sait häsch, isch’s Ländle hi.
So gosch zur Arwet fir klaine hm hm hm
So gosch zur Arwet fir klaine Lohn.
Din Lohn isch immer klai, isch der Profit au groß
Un kunnt die Krise, bisch arwetslos.
Do bisch di Arwet los un bisch de Acker los,
Un dini Herre bliebe riich un groß.
So goht im Elsaß un in Bade hm hm hm
So goht im Elsaß un in Bade Kriag.
In Mueders Stübele goht erscht en andre Wind,
Wenn mange Litt emol erscht uffgwacht sind!


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Walter Mossmann
IN MUEDERS STÜBELE

In Mueders Stübele, do goht der hm hm hm
In Mueders Stübele, do goht der Wind.
Der Wind sait d’Wohret, nit äso wie d’Zittig sait
Der Wind sait d’Wohret, ich loos em Wind.
Der Wind sait, d’Büre, de hän jetz hm hm hm
Der Wind sait, d’Büre, de hän jetz Kriag.
Der Kriag, der dundret nit, kunnt nit vum Üsland här
Der Kriag, der kunnt üs dinem aigne Land.
Sin nit d’Franzose, s’isch’s große hm hm hm
Sin nit d’Franzose, s’isch’s große Geld.
Die riiche Herre hän d’Büre üsbrücht
Die brüche Arwetslitt fir in d’Fabrik.
Wel der Atomstrom, der git viel hm hm hm
Wel der Atomstrom git viel Profit.
Zerscht kunnt’s Atomkraftwerk, un dann kunnt d’Großchemie
Un bis dü «Au!» g’sait häsch, isch’s Ländle hi.
So gosch zur Arwet fir klaine hm hm hm
So gosch zur Arwet fir klaine Lohn.
Din Lohn isch immer klai, isch der Profit au groß
Un kunnt die Krise, bisch arwetslos.
Do bisch di Arwet los un bisch de Acker los,
Un dini Herre bliebe riich un groß.
So goht im Elsaß un in Bade hm hm hm
So goht im Elsaß un in Bade Kriag.
In Mueders Stübele goht erscht en andre Wind,
Wenn mange Litt emol erscht uffgwacht sind!




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