BUND - Doppelt skandalöser Unfall in Sellafield

Die jetzt nach und nach bekannt werdenden Folgen des schweren Atomunfalls in Sellafield zeigen nach Ansicht von BUND-Geschäftsführer Axel Mayer eine doppelte Dimension des Problems.

Da ist einerseits die schier unglaubliche Dimension des Unfalls, dessen Folgen jetzt nach und nach scheibchenweise bekannt werden. Dieses Wochenende mussten wir erfahren, dass das Rohr vermutlich schon seit August vergangenen Jahres leckte, dies aber erst am 19. April 2005 entdeckt wurde. Mehr als 83.000 Liter plutoniumhaltiger Stoffe sollen in eine Halle ausgetreten sein. Plutonium - sinnigerweise benannt nach Pluto, dem griechischen Gott des Totenreiches - ist einer der giftigste Stoffe, die es gibt. Es kann nur schwer oder gar nicht ausgeschieden werden, es setzt sich fest, reichert sich sogar an, die Strahlung ist bei einer Halbwertszeit von 24 000 Jahren faktisch dauerhaft vorhanden. Bereits wenige Millionstel Gramm (Mikrogramm) können sofort, sogar nur einige Milliardstel Gramm (Nanogramm) langfristig tödlich wirken....." Dieser Unfall zeigt wieder einmal die ungeheuren Gefahren der sogenannten friedlichen Nutzung der Atomenergie für Mensch und Umwelt und die Notwendigkeit eines schnellen Atomausstiegs. Auch deutscher Atommüll wurde zur Wiederaufarbeitung nach Sellafield gebracht und damit stehen auch wir in Mitverantwortung.

Die zweite, öffentlich nicht diskutierte Dimension dieses Unfalls ist die Gefährdung der Demokratie durch die gezielte "Nichtinformationspolitik" nicht nur der englischen AKW- und WAA-Betreiber. Wie war es in einer der ältesten Demokratien der Welt möglich, einen Unfall dieser Größenordnung so lange gezielt geheimzuhalten und ihn insbesondere erst nach den wichtigen englischen Wahlen bekannt zu geben? Hintergrund dieser Informationspolitik ist der Wille der Atomlobby auch in England neue AKW zu bauen. Vor den englischen Wahlen hätte die Bekanntgabe des Unfalls "politisch doch zu sehr gestört" Die Informationspolitik der Sellafield-Betreiber erinnert an Desinformationspolitik, wie wir sie eigentlich aus Diktaturen kennen.

Jetzt ist es Aufgabe der Medien, beiden Dimensionen des Unfalls nachzugehen.

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