Umwelt - Plakate im Burghof Lörrach / Hintergrundinformation

"Wer seine Geschichte vergisst ist wie ein Baum ohne Wurzeln in den Stürmen der Zeit"
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Am Mittwoch, den 9. November 2005, um 19:00 Uhr wird eine Ausstellung und Veranstaltungsreihe zum Thema: "30 Jahre Umweltplakate im Dreyeckland" im Museum am Burghof Lörrach eröffnet.

Das Museum am Burghof Lörrach zeigt in Zusammenarbeit mit der BUND-Ortsgruppe Lörrach und dem BUND-Regionalverband Südlicher Oberrhein eine umfangreiche Auswahl regionaler Umweltplakate. "Plakativ” werden in der Ausstellung vom 09.11.05 bis zum 18.12.05 die großen und kleinen Umweltthemen und Konflikte in Südbaden, im Elsass und in der Nordschweiz gespiegelt.

Wir bitten die Medien die Eröffnungsveranstaltung anzukündigen und über die Ausstellung zu berichten.

Markus Wursthorn, BUND OG Lörrach-Weil / Axel Mayer, BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein
hier: Alle Umweltplakate im Internet
Mehr Infos zum Plakat: "NAI HÄMMER GSAIT!"
Hintergrundinformation:
Umweltprobleme und Konflikte am Oberrheingibt es natürlich schon länger als 30 Jahre. So führte ab der Zeit um 1100 der zunehmende Bergbau in Kappel zu massiven Umweltproblemen, und im Jahr 1662 wollten niederländische Kaufleute, die zu dieser Zeit an der verheerenden Abholzung der innerschweizerischen Wälder beteiligt waren, den Rheinfall sprengen, damit das Flößerholz ungehindert nach Holland gelangen könne.

Auch die ersten regionalen Umweltplakate sind älter als 30 Jahre. Die im Januar 1953 gegründete "Arbeitsgemeinschaft Heimatschutz Schwarzwald” zur Rettung der Wutachschlucht vor den Staudammplänen druckte Plakate, und ebenso die im Jahr 1969 gegründete "Aktionsgemeinschaft für demokratische Verkehrsplanung”, die sich gegen die geplante Schwarzwaldautobahn engagierte.

Aus den Konflikten um Wyhl, Schwörstadt und Kaiseraugst entwickelte sich dann aber eine regelrechte Plakatkultur. Die Ausstellung kann nur eine kleine Auswahl zeigen. Da sind einfachst und schnell produzierte "Schablonenplakate”, die 1975 sofort nach der Wyhler Bauplatzbesetzung entstanden, und das überregional bekannte "Nai hämmer gsait”- Motiv, der Klassiker von Hubert Hoffmann, der ehrenamtlich im Lauf der Jahre viele Plakate für die Umweltbewegung entwarf. Gezeigt werden Plakate Freiburger Gruppen im Stil der chinesischen Wandzeitung und die wichtigen zweisprachigen Erklärungen der badisch-elsässischen Bürgerinitiativen: Das heißt: Flugblätter in Plakatform, eines der seltenen Plakate der Wyhler AKW-Befürworter und viele, viele Aufrufe zu Demonstrationen und Aktionen. Immer wieder wurden Motive aus dem Bauernkrieg aktualisiert, und auch das leicht veränderte Plakat des Juristen und Grafikers Klaus Staeck zu Hans Filbinger, dem umstrittenen damaligen Ministerpräsidenten und AKW-Befürworter, darf nicht fehlen.

Ein Plakat ist immer auch ein Schrei,denn Betroffenheit, Zorn, Trauer und Wut sind häufig auch Motive, Plakate zu entwerfen, zu drucken und zu plakatieren. Das bitterböse Totenkopfplakat mit AKW war darum bei der Auswahl für diese Ausstellung unter den Leihgebern auch umstritten. Aber es zeigt in seiner Überspitzung sehr deutlich Wut und Ohnmacht der Umweltbewegung am Oberrhein direkt nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Und darum gehören in eine Plakatausstellung auch die plakativen Klischees, der idealisierte "knollennasige” Kaiserstühler Bauer und der "böse, knüppelschwingende” Polizist. Wer wütend ist, übertreibt.

Die Ausstellung bietet eine südbadische Sicht auf die Umweltbewegung am Oberrhein, denn Axel Mayer und Dr. Frank Baum, aus deren privaten Sammlungen die Plakate stammen, haben schwerpunktmäßig südbadische Motive gesammelt. Und doch stammen viele Plakate auch aus dem Elsass und der Nordschweiz. Plakate aus den Auseinandersetzungen um die Atomkraftwerke in Fessenheim (F) und die verhinderten AKW in Kaisersaugst (CH) und Schwörstadt. Plakate aus den Konflikten um die verhinderte Salzverpressung auf der Fessenheimer Rheininsel und die zwischenzeitlich gebaute, über den Rhein stinkende Zitronensäurefabrik in Marckolsheim (F). Französischsprachige Plakate stehen neben solchen im Elsässer Dialekt.Waldsterben, Klimaschutz, Gentechnik, Flächenverbrauch, Rheinverschmutzung, Verkehrsprobleme und die Gen-Acker-Besetzung in Buggingen. Viele der Motive zeigen halb vergessene, verdrängte, aber auch tagesaktuelle Themen der Umweltbewegung. Auch einige wenige Motive aus dem klassischen Naturschutz sind zu finden. Hierzu gibt es wenig Plakate, denn auch am Oberrhein stirbt die Natur eher leise und nicht von "plakativen Schreien” begleitet. Viele Motive erinnern auch an ökologische und ökonomische Erfolge der Umweltbewegung für Mensch, Natur und Umwelt.

Aufkleber, Spuckis und kleinformatige Motive ersetzen heute mehr und mehr die großen Umweltplakate. Die Zeit der großformatigen Umweltplakate geht nicht nur am Oberrhein vorüber. Das hat eine Vielzahl von Gründen. Die alten Hoftore im ländlichen Raum, die früher zur Plakatierung zur Verfügung standen, gibt es kaum noch. Die "schönen neuen” Hoftore aus dem Baumarkt tragen häufig nur noch ein einziges Schild, nämlich "Plakatieren verboten”. Auch die hölzernen Telegrafenmasten, die in der Vergangenheit sogar die Form einiger Plakate prägten, werden weniger. In Städten wie Freiburg gibt es eine Schwemme kommerzieller Plakate und kommerzieller Plakatkleber. Die Kommerziellen sind einfach schneller als "Hobby-Kleber”. Dies führt zu kleineren Plakatformaten (maximal DIN A3), für die sich manchmal noch Flächen finden, sowie zu einem Ersatz der Plakate durch Aufkleber und Spuckis (kopierte Kleinstplakate mit gummierter Rückseite, die, ähnlich einer Briefmarke, nur noch angefeuchtet werden müssen).

Die "Besetzung” des Internets ist eine moderne Erweiterung des herkömmlichen Plakatierens. Immer wichtiger werden die Versuche der Umweltbewegung, die Bildsuchfunktionen von Suchmaschinen, d.h. das Internet zu "besetzen”. Die Ausstellung zeigt einige Beispiele für erfolgreiche "Besetzungsversuche”.

Den Einfluss der weltweiten globalisierungskritischen "No Logo”-Kampagne auf die neueren, kleinformatigen Plakate und Internetmotive der regionalen Umweltbewegung zeigt der Monitor am Ende der Ausstellung. Ein schlichtes "Fessenheim abstellen” auf dem Plakat, dem Transparent und im Internet bewirkt wenig. Den Zusammenhang zwischen Fessenheim, neuen Euroreaktoren und der EnBW herzustellen und so auch das "Logo” des Konzerns anzugehen ist wesentlich effektiver und politischer. Es geht darum, die umweltgefährdenden Firmen beim Namen zu nennen und gegen das mit viel Geld künstlich aufgebaute "Umweltimage” anzugehen. So spiegeln die neueren Plakate auch immer weltweite politische Strömungen und Trends.

Über die Rolle und Funktion des Plakates in der Zukunft können nur Mutmaßungen angestellt werden. Doch wenn z. B. deutsche Stromkonzerne ihre Euroreaktorpläne in Frankreich durchsetzen wollen, wenn zuerst 53 französische Reaktoren für 3 Milliarden Euro pro Stück gebaut werden und nur ein Prozent der Kosten für Werbung und Greenwash eingesetzt wird, dann stehen der Atomlobby immerhin 1,59 Milliarden Euro zur Verfügung. Das Plakat, der Aufkleber, der Spucki und das Internet werden für die Umweltbewegung dann sicher erneut eine wichtige Rolle spielen, wenn David sich wieder mit Goliath anlegt.

Die Ausstellung lässt erkennen, dass sich sehr viele Menschen und Gruppen mit Aktionen, Phantasie, Kreativität, Ideen und Argumenten für die Umwelt am Oberrhein eingesetzt haben und weiterhin einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Axel Mayer / Geschäftsführer



Mehr Infos:
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