Stellungnahmen - Vernehmlassung & Einspruch: Atommülllager Schweiz 2018


Stellungnahmen - Vernehmlassung & Einspruch: Atommülllager Schweiz 2018



In der Schweiz soll ein atomares Endlager realisiert werden, das "Sicherheit für eine Million Jahre(!)" gewährleisten sollte. Aufgrund der besonders schlechten geologischen Gegebenheiten der Schweiz kommen dafür nur sehr dünne Opalinustonschichten in Frage.

Bis zum 09.03.2018 konnten Stellungnahmen zum geplanten, grenznahen atomaren Endlager abgegeben werden.

Eine kurze Beschreibung des Atommüll-Problems Schweiz aus Sicht des BUND-RV finden Sie hier

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BUND Regionalverband Südlicher Oberrhein
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Wilhelmstraße 24a, 79098 Freiburg


An das
Bundesamt für Energie
Sektion Entsorgung radioaktiver Abfälle
CH-3003 Bern
Schweiz


6.3.2018

Stellungnahme zur Etappe 2 des Schweizer Sachplanverfahren Atommülllager (Geologische Tiefenlager)

Sehr geehrte Damen und Herren,

Vorwort
"Der Weg hin zu einem geologischen Endlager ist geprägt von Überraschungen, neuen Einsichten und der Erkenntnis, dass selbst für die bestuntersuchten Orte Unsicherheiten darüber bleiben, wie sicher diese Anlagen langfristig sind“, Komitee der US National Academy of Sciences.

Wir möchten hiermit unsere Stellungnahme zur Etappe 2 des Schweizer „Sachplanverfahren Atommülllager“ abgeben. Mit unseren kurzen Äußerungen wollen wir die Stellungnahmen anderer Umweltverbände, von Gemeinden und Landkreisen ergänzen.

Der BUND-Regionalverband vertritt mit dieser Stellungnahme die Interessen der BUND-Mitglieder in der Region Südlicher Oberrhein.

Die bisherige "Beteiligung" von Menschen, Gruppen und Verbänden an der Schweizer Endlagersuche war, nach unserer Ansicht, stets die perfekte Erzeugung von Illusion einer Beteiligung. Gerade in der Schweiz gilt: "Je direkter die Demokratie, desto besser die Durchsetzungsstrategien für ein atomares Endlager."

In Grenznähe am Hochrhein ballt sich auf der Schweizer Seite das atomare Risiko. Wenn in Kürze das AKW Mühleberg abgestellt wird, dann befinden sich mit Leibstadt, Beznau und Gösgen alle Schweizer AKW im Grenzgebiet, darunter das älteste und eines der gefährlichsten AKW der Welt in Beznau.

In Würenlingen steht grenznah der atomare Verbrennungsofen der Schweiz, eine Atommüllfabrik und ein schlecht gesichertes atomares Zwischenlager. Dazu soll jetzt noch das atomare Endlager kommen. Bitte bedenken Sie: „Welche Reaktionen in der Schweizer Bevölkerung würde es auslösen, wenn die Situation genau umgekehrt wäre?“


Die Schwäche der Umweltbewegung in Sachen Endlagerdebatte Schweiz hat einen erstaunlichen Grund. Dies war und ist unsere Differenziertheit, politische Korrektheit und unsere Orientierung am Gemeinwohl. Wir akzeptieren, dass wir ein möglichst gutes Endlager brauchen, weil es zu riskant ist, Atommüll dauerhaft oberirdisch zu lagern. Da ein schlichtes Nein zur Endlagersuche nicht verantwortbar ist, wurden und werden wir in der bisherigen Endlager-Debatte über den Tisch gezogen. Es war ein politischer Fehler, sich vorzeitig auf die Endlager-Debatte einzulassen, solange uns die ältesten AKW der Welt bedrohen.

Wir müssen noch einmal die Dimension des Problems aufzeigen: Wenn der ägyptische Pharao Cheops vor 4550 Jahren nicht die berühmte Pyramide gebaut, sondern ein AKW 4 Jahre lang betrieben hätte, dann wären neben vielen anderen Abfällen ca. 1000 kg Plutonium zusammengekommen. Bei einer Halbwertszeit von 24.110 Jahren (Plutonium 239) wären heute noch 877 kg vorhanden. Nach 10 Halbwertszeiten, also nach 241.100 Jahren, müssten immer noch ca. 0,1 % der Ausgangsmenge, also 1 kg Plutonium dauerhaft sicher gelagert werden. Wir brauchen eine Endlagerformation, die Sicherheit für eine Million Jahre gewährleistet. Zum Vergleich: Der Rheinfall entstand vor ca. 14.000 Jahren.

Plutonium hat eine längere Halbwertszeit als Nationalstaaten und ihre Grenzen. Wir Deutschen haben das in Sachen Atommüll schmerzhaft erfahren. An der ehemaligen innerdeutschen Zick-Zack-Grenze ragte der DDR-Ort Morsleben weit in den Westen und das kleine West-Dorf Gorleben war von DDR-Gebiet umgeben. „Erstaunlicherweise“ waren Morsleben und Gorleben mit ihren Grenzlagen die zumindest politisch perfekten deutschen Atommüllstandorte. Die innerdeutsche Grenze ist heute weg, der Atommüll im maroden, instabilen Salzstock Morsleben ist noch da. Grenznahe Endlager-Gebiete (wie das Grenzgebiet Deutschland-Schweiz) sind häufig auch politisch gewählt. Atommüll braucht keine politisch-nationale Standortwahl, sondern die „bestmögliche“ Geologie.



Die jetzigen Planungen sind durchsetzungstechnisch perfekt organisiert und geben die Leitplanken des staatlich gewünschten Denkens und unserer Einsprachen vor.

Wir brauchen ein Endlager, das Sicherheit für eine Million Jahre bietet, sind aber nicht ansatzweise in der Lage „Eine Million Jahre zu denken“. Die geologischen Gegebenheiten sind leider schlecht. Nationalstaatliches Denken und die aktuellen Planungen und Überlegungen in der Schweiz lassen die notwendige dauerhafte Sicherheit für die gefährlichsten Gifte der Menschheit nicht erwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Axel Mayer, Geschäftsführer




Viele, viele weitere Stellungnahmen und Einsprüche (wir konnten nur auf die "verlinkten" Stellungnahmen hinweisen


Wir bedanken uns bei den vielen, klugen, differenzierten und so unterschiedlich Einsprechenden!



Musterstellungnahme



Bundesamt für Energie
Sektion Entsorgung radioaktiver Abfälle
CH-3003 Bern
Schweiz

(Datum)

Stellungnahme zur Etappe 2 des Schweizer "Sachplanverfahren Atommülllager" (Geologische Tiefenlager)


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte hiermit eine kurze Stellungnahme zur Etappe 2 des Schweizer „Sachplanverfahren Atommülllager“ abgeben. Mit meinen kurzen Äußerungen möchte ich die kritischen Stellungnahmen von Einzelpersonen, Gemeinden und Umweltverbänden ergänzen und unterstützen.

"Der Weg hin zu einem geologischen Endlager ist geprägt von Überraschungen, neuen Einsichten und der Erkenntnis, dass selbst für die bestuntersuchten Orte Unsicherheiten darüber bleiben, wie sicher diese Anlagen langfristig sind", konstatierte das Komitee der US National Academy of Sciences.

Die bisherige "Beteiligung" von Menschen, Gruppen und Verbänden an der Schweizer Endlagersuche war stets die perfekte Erzeugung von Illusion einer Beteiligung. Gerade in der Schweiz gilt: "Je direkter die Demokratie, desto besser die Durchsetzungsstrategien für ein atomares Endlager". Die Etappe 2 im Schweizer "Sachplanverfahren Atommülllager" hat psychologisch die Funktion, die verbliebenen, grenznahen Standorte gegeneinander auszuspielen.



Wir brauchen tatsächlich ein Endlager, das Sicherheit für eine Million Jahre bietet. Die aktuellen Planungen und Überlegungen lassen diese Sicherheit nicht erwarten.

Mit freundlichen Grüßen




[artikel=IMPORT: Umzug]



Hier finden Sie viele Links und Informationen zu den AKW & Atomproblemen der Schweiz:








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Aktueller Einschub
Atommüll Schweiz: Eine Kritik


Die Schweiz will das Endlager für Atommüll an der Grenze zu Deutschland im Gebiet Nördlich Lägern, wenige Kilometer südlich der deutschen Gemeinde Hohentengen bauen. Die jetzige Standortauswahl, für den besten aller schlechten Standorte eines atomaren Endlagers in der Schweiz spricht für eine gewisse Verzweiflung der AKW-Betreiber und der NAGRA und verheißt nichts Gutes. Atommüll, der eine Million Jahre sicher verwahrt werden muss, braucht eine gute Geologie und nicht gute Worthülsen.

Von 1969 bis 1982 hat die Schweiz 5321 Tonnen Atommüll im Nordatlantik versenkt, ein Umweltverbrechen das von Politik und Medien erst mit der "üblichen Verspätung" kritisiert wurde. Die Verantwortlichen wurden nie bestraft. Jetzt soll der Schweizer Atommüll in einer im internationalen Vergleich sehr dünnen Schicht Opalinuston vergraben werden. Wir sind nicht in der Lage "Atommüll zu denken". Müll, der eine Million Jahre strahlt und 33.000 Generationen gefährdet.

Mehr aktuelle Infos: Atommüll Schweiz