Bienensterben / Bienenvergiftung / Gift: Insektensterben & Schmetterlingssterben & Neonicotinoide


Bienensterben / Bienenvergiftung / Gift: Insektensterben & Schmetterlingssterben & Neonicotinoide
(Plakat der Kundgebung gegen Bienenvergiftung in Freiburg)



Rede gegen Bienenvergiftung Demo am 28.8.08 in Freiburg Hier



Nachtrag August 2016:


Eine Studie, spannend wie ein Krimi, über Bienensterben Gift & Macht in Deutschland!
"Eine weltweite Metaanalyse aus 838 Veröffentlichungen hat aufgedeckt, dass nicht nur Honigbienen und andere Insekten durch Neonicotinoide geschädigt werden, sondern dass inzwischen die Biodiversität als solche in Gefahr und zum Teil schon
geschädigt ist." (Pisa et al. 2014, EASAC 2015)

Quelle für die aktuell wichtigste Studie zur Gefahr von Neonicotinoiden: Klaus-Werner Wenzel, Neonicotinoide als Verursacher des Bienensterbens – Ein Addendum zu H.-J. Flügel:


Das globale Bienensterben


wird zur immer größeren Bedrohung für Mensch, Natur und Landwirtschaft. "Rund 84% aller Pflanzen des kommerziellen Ackerbaus in der EU sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen, weltweit dürfte dieser Anteil sogar noch höher liegen. Auch mehr als 80% aller wild wachsenden Pflanzen in der EU benötigen für ihr Weiterbestehen die Bestäubung durch Bienen. Allein der finanzielle Wert der Pflanzebestäubung durch Bienen für die Landwirtschaftsbetriebe der EU wird jährlich auf rund 22 Milliarden Euro geschätzt." schreibt das EU-Umweltbüro in einer Presseerklärung

"In den USA hat sich der Bestand von vier in diesem Land weit verbreiteten Arten von Bienen in den letzten Jahrzehnten um rund 96% reduziert. Die Zahlen für Großbritannien sind ähnlich alarmierend. Einige Bienenarten sind in den letzten Jahren komplett ausgestorben, andere Arten wurden seit den 70er Jahren um bis zu 70% reduziert" berichtet die britische Tageszeitung Guardian.

Die chemische Industrie,
die großen Hersteller von Agrargiften und Pestiziden und die Agrochemielobby haben ein massives ökonomisches Interesse, die Vergiftung der Bienenvölker durch Agrargifte, gentechnisch veränderte Pflanzen und die Monokulturen einer industriellen Landwirtschaft herunter zu spielen. Die Varroamilbe wird zur hauptsächlichen Ursache des Bienensterbens erklärt. Wissenschaftliche Untersuchungen werden von der Industrie massiv beeinflusst. Die chemische Industrie in Deutschland gehört zu den größten der Welt. Sie neigt dazu, alle gesetzlichen Regelungen, die die Risiken für Menschen, Umwelt und Bienen reduzieren sollen, zu torpedieren. Bei einer aktuellen Studie, einem Bienenmonitoring, wurden 50 Prozent des Projekts von der Industrie finanziert. Kein Wunder, dass die "objektive" Studie die Varroamilbe als Hauptproblem sieht... Die Manipulationsmacht der Chemiekonzerne (leider auch bei Wikipedia) ist ungebrochen.
Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer




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Bienensterben = Bienenvergiftung: Bild von der Kundgebung gegen Bienenvergiftung in Freiburg)







Schmetterlingssterben / Insektensterben / Bienensterben & Vogelsterben 2017: Gift, Neonicotinoide, Dünger, Monokulturen, Ferneintrag



Schmetterlingsfragen:




In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Schmetterlinge
weltweit, aber auch regional stark abgenommen. "Zwischen 1990 und 2011 brach die Population von 17 in der EU verbreiteten Schmetterlingsarten um rund die Hälfte ein", schreibt die Europäische Umweltagentur (EEA) 2013 in ihrem Bericht. Das deutet auch auf den Rückgang vieler anderer Insektenarten hin. Selbst Nicht-Biologen fällt auf, dass der Artenreichtum und die Anzahl der Schmetterlinge massiv abgenommen haben.

Dies gilt nicht nur für die europäischen Maissteppen,
sondern erschreckenderweise auch für die wertvollsten, immer dem Ferneintrag von Giften und Düngemitteln ausgesetzten Naturschutzgebiete, zum Beispiel am Kaiserstuhl oder für die Orchideen-Wiesen am Bollenberg im Elsass. Der beste "Indikator" für das große, stille Insektensterben ist Ihre Windschutzscheibe. War diese nach sommerlichen Fahrten vor 30 Jahren noch heftig "insektenverschmiert", so ist sie jetzt erschreckend "sauber". Schnaken gibt´s natürlich noch, aber die "dicken Brummer" fehlen.

Wir erleben gerade ein stilles Artensterben und zwar nicht im fernen Afrika, sondern direkt vor unserer Haustür.

Während das Bienensterben, ausgelöst nicht zuletzt durch Neonicotinoide, intensiv öffentlich diskutiert wird, bräuchte das stille Sterben der Schmetterlinge, der Wildbienen und anderer Insekten noch mehr öffentliches Interesse. "Schuld am Sterben der Schmetterlinge sind insbesondere die intensive Bodennutzung durch Flächenverbrauch, industrielle Landwirtschaft und Pestizide", sagt ein Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA). Auch wenn wir uns in dieser südwestlichen Ecke Deutschlands über gelegentliche Neufunde (Purpurweiden-Jungfernkind...) und klimabedingte "Wanderungsgewinne" aus dem Süden freuen, ändert dies nichts am Grundproblem.

„Ich untersuche die Tag- und Nachtfalter in der Oberrheinebene seit 30 Jahren regelmäßig und sowohl die Artenzahlen als auch die Faltermengen gehen insgesamt stark zurück. Es fällt auf, dass auch Wiesen, die selbst nicht zerstört wurden, aber in der Agrarlandschaft unmittelbar den Randeinflüssen der gespritzten Kulturen ausgesetzt sind, nur noch von wandernden Faltern besucht werden. Wiesen im Wald sind oft noch nicht so betroffen. Die bunten Wiesen der Hochwasserdämme in der Aue sind vom Wald abgeschirmt und geschützt und darum immer noch Falter-reich. Im Kaiserstuhl haben sich einige Arten nur noch in den windgeschützten Tälern gehalten. Da wundert man sich natürlich nicht, dass neben Schmetterlingen und anderen Insekten auch Singvögel und Fledermäuse selten werden.“ sagt Jörg-Uwe Meineke, Schmetterlingsexperte und ehemaliger Leiter des Referats für Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Freiburg


Diese wichtigen Aussagen des Spezialisten Meineke sagen, dass wunderschöne, artenreiche, bunte Blumenwiesen und Ackerrandstreifen den Insekten nichts nützen, wenn sie dem Ferneintrag von Giften und Schadstoffen ausgesetzt sind.
Hier liegt das Hauptproblem, hier muss der BUND und die Umweltbewegung ansetzen.


Der Bioland Bundesverband hat in Sachen Ferneintrag von Giften ähnliche Probleme und schreibt:
"Eine Studie im Auftrag des Landesamts für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) Brandenburg brachte den Nachweis, dass die Unkrautvernichtungsmittel Pendimethalin und Prosulfocarb sehr weiträumig über thermische Luftbewegungen verbreitet werden. Die Gutachter sprechen von einer "unerwünscht weiträumigen und anhaltenden Verbreitung insbesondere von Pendimethalin". Die festgestellte Belastung liegt 100- bis 1000-fach höher als die Grundbelastung in unbelasteten Referenzgebieten der Nord- und Ostsee. Pendimethalin und Prosulfocarb werden im konventionellen Landbau häufig verwendet. Pendimethalin steht auf der Liste der TOP 10 der meist verkauften Pestizide in Deutschland."

Immer mehr Studien zeigen,
dass nicht nur Honigbienen, Wildbienen, Hummeln und andere Insekten durch Neonicotinoide geschädigt werden, sondern dass die Biodiversität in Gefahr und zum Teil schon geschädigt ist.

Insektensterben & Vogelsterben
Wenn die Zahl der Insekten in manchen Gebieten Deutschlands schon um bis zu 80% abgenommen hat, dann hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Vogelwelt. Vögel wie Schwalben oder Mauersegler leben von Insekten. Für eine Vielzahl von Kleinvögeln sind Insekten in der Aufzuchtphase besonders wichtig. Das globale und bundesweite Insektensterben
nimmt (nicht nur) Schwalben, Mauerseglern und Fledermäusen die Nahrungsgrundlage und führt zu einem massiven Rückgang der Populationen. Wenn ein wichtiger Teil der Nahrungsgrundlage wegbricht, dann hat das extreme Auswirkungen auf alle Arten am Ende der Nahrungskette. Die Lobbyisten der Agrargift-Industrie haben ein massives (und gut organisiertes) Interesse, dass dies nicht zum Thema wird.

Aus bunten Schmetterlingswiesen wird Einheitsgrün
Auch am Oberrhein wurden viele Wiesen umgebrochen. Aus bunten Blumenwiesen im Schwarzwald und in den Vogesen wird zunehmend monotones, artenarmes, gedüngtes Einheitsgrün, das immer häufiger im Jahr gemäht wird. Unsere Landwirte, die einer brutalen internationalen Konkurrenz (Freihandel!) ausgesetzt sind, müssen immer mehr Futter für Kühe erzeugen und auch die Biogasanlagen müssen "gefüttert" werden. Wo früher eine artenreiche Acker-, Wiesen- und Streuobstlandschaft war, steht heute fast überall giftgeduschter Mais. Viele, der in der Landwirtschaft eingesetzten Spritzmittel und Gifte (Neonicotinoide / Glyphosat...) sind ein Grund für den massiven Rückgang der Artenvielfalt auf Ackerböden und in deren Umgebung. Doch nicht der einzelne Landwirt ist das Problem, sondern die mächtige Agrochemielobby. Auch den Gärten wird wieder heftig "gegiftet". Die Buchsbaumzünzler-Bekämpfung in den Gärten wird häufig mit Neonicotinoiden durchgeführt. Zur Zeit gibt es in vielen Gärten wieder richtige "Gift-Orgien" wie in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Neonicotinoide, Konzerne und bedrohte Gewinne
Die zunehmende Erkenntnis um die Bedrohung der Natur durch Neonicotinoide bedroht die satten Gewinne von Bayer, Monsanto, Syngenta und Co. Was jetzt ansteht nennt sich Krisenkommunikation. Krisenkommunikation ist das Geschäft der großen Werbeagenturen. In den letzten Jahrzehnten wurden professionell die Gefahren des Rauchens und der Atomenergie heruntergespielt und der menschengemachte Klimawandel geleugnet. Syngenta und Bayer klagen zwar selber beim Europäischen Gerichtshof wegen der EU-Restriktionen gegen die schlimmsten Neonics. Doch die richtigen PR-Kampagnen werden von industriegelenkten, gut organisierten Tarnkappen-Organisationen und gut bezahlten WissenschaftlerInnen übernommen. Um den Zusammenhang zwischen Bienensterben und Neonicotinoiden zu verschleiern, wurde jahrelang gezielt die These von der „Varroamilbe als Hauptursache“ organisiert. Die Konzerne haben einen massiven Einfluss auf Studien, Universitäten, Wikipedia, Politik und auf das BfR (Bundesinstitut für Risiko-Bewertung). Das jahrelange, industriegelenkte Wegschauen staatlicher "Kontroll"instanzen beim Dieselskandal, erleben wir auch bei Neonicotinoiden und Glyphosat. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit bekämpfen deutsche Chemiekonzerne mit allen juristischen Mitteln und ausgestattet mit Geld und Macht jede kritische Stimme, die ihre lohnenden Giftgeschäfte gefährden könnte. Dieser Streit wird mit großer Härte ausgetragen und ein Konflikt mit Bayer-Rechtsanwälten hat den kleinen BUND-RV am südlichen Oberrhein schon viel Geld gekostet.


"Sterben der Schmetterlinge" ist eigentlich ein verharmlosender Neusprechbegriff, denn er verschweigt den Hintergrund des Sterbens. Schmetterlinge und andere Arten werden global und regional ausgerottet. Es lassen sich viele Einzelursachen dieses Ausrottungsprozesses auflisten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unser verschwenderischer, auf unbegrenztem Wachstum beruhender Lebensstil nicht kompatibel mit dem Überleben von Schmetterlingen, Nashörnern, Feldhamstern, Insekten und vielen anderen Arten ist. Ob unser Lebensstil sich mit dem Überleben unserer eigenen Spezies verträgt, darf bezweifelt werden.
Axel Mayer


Das Schmetterlingssterben & Insektensterben ist nur ein kleiner Teil des globalen Artensterbens.
Von Jahr zu Jahr stehen mehr gefährdete Tiere und Pflanzen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Und die Rote Liste zeigte noch nicht einmal das ganze Ausmaß des weltweiten Artensterbens, wie Wissenschaftler in der Zeitschrift „Conservation Biology“ berichten. Durch das was wir "Wachstum und Fortschritt" nennen, hat sich das globale und regionale Artensterben derart beschleunigt, dass Forscher mittlerweile vom sechsten Massensterben der Erdgeschichte sprechen.

Fünf Mal gab es in den vergangenen 540 Millionen Jahren gewaltige Artensterben, zeigen Fossilienfunde. Forscher sehen eine aktuelle, menschengemachte, sechste Welle in vollem Gange. Allein seit dem Jahr 1500 seien mehr als 320 terrestrische Wirbeltiere ausgestorben, die Bestände der verbliebenen seien im Schnitt um ein Viertel geschrumpft, schreiben Wissenschaftler um Rodolfo Dirzo von der Stanford University in "Science".


Natürlich werden überall auch neue, kleine Naturschutzgebiete ausgewiesen.
Aber der Gifteintrag über große Entfernungen macht auch vor dieser Restnatur nicht halt und die Zahl der Schmetterlinge und Insekten schwindet. Während neue Naturschutzgebiete unter öffentlichem Beifall eingeweiht werden, verschwinden gleichzeitig wesentlich größere Flächen unter Beton und Asphalt. Überall gilt: “Der Naturschutz arbeitet am kleinen Detail, die Naturzerstörer arbeiten am großen Ganzen”.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer


Wir haben zu diesem Thema ein Flugblatt gedruckt. Dieses können Sie für nur 2ct pro Exemplar (zzgl.Versandkosten) in unserem BUND-Shop bestellen, im BUND Büro in Freiburg abholen oder als kostenlose PDF-Datei hier herunterladen.




Artensterben - Schmetterlingssterben - Insektensterben


Schmetterlingssterben/Insektensterben: Studien, Untersuchungen, Medienbeiträge & Links:



Wichtiger Einschub zum Thema Vogelschwund durch Pestizide:
"[...] Bisher galten Neonicotinoide als schädlich nur für Insekten und andere wirbellose Tiere.[...] Studien zeigen, dass die Neonicotinoide Bienen und Wasserorganismen stärker schädigen als angenommen.[...] Bisher war allerdings unklar, welche Folgen diese Anreicherung für die Nahrungskette und im Speziellen für höhere Tiere hat.[...]Um das zu untersuchen, werteten die Forscher Daten der Jahre 2003 bis 2010 von zwei Langzeit-Studien aus: einer landesweiten regelmäßigen Zählung häufiger Brutvögel und zum anderen Messungen der Wasserqualität.[...]Das Ergebnis war überraschend eindeutig: Für 14 von 15 untersuchten Vogelarten gab es eine Korrelation: Überall dort, wo die Konzentration des Neonicotinoids Imidacloprid im Wasser 20 Nanogramm pro Liter überstieg, sanken die Vogelzahlen um 3,5 Prozent pro Jahr ab, wie die Forscher berichten.[...]"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Imidacloprid zur Abnahme der lokalen Vogelpopulationen beigetragen hat", sagen die Forscher. [...]
"Neonicotinoide galten bisher immer als selektive Gifte", sagt Koautor Hans de Kroon von der Radboud Universität. "Aber unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sie das gesamte Ökosystem beeinträchtigen." Diese Pestizide stellen damit ein viel größeres Risiko dar als erwartet, wie die Forscher betonen. Es sei nun dringend nötig, diese indirekten, über die Nahrungskette wirkenden Effekte der Pestizide genauer zu untersuchen - und auch in der zukünftigen Gesetzgebung zu berücksichtigen.[...]"
Quelle: Bild der Wissenschaft