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Renaturierung Elz, Dreisam, Kinzig, Glotter 2017 / Eine Erfolgsgeschichte / Natur aus zweiter Hand am Oberrhein

15.08.2017

Renaturierung Elz, Dreisam, Kinzig, Glotter 2017 / Eine Erfolgsgeschichte
Natur aus zweiter Hand am Oberrhein



Seit über zwei Jahrzehnten gibt es beim BUND am südlichen Oberrhein einen Traum. Am Anfang stand der jahrzehntelange, erfolgreiche Kampf um eine bessere Wasserqualität der Gewässer am Oberrhein. Danach konnten wir die Renaturierung der zu gerade gestreckten Kanälen geronnenen Bäche am Oberrhein, von Elz, Dreisam, Kinzig, Glotter angehen... Wir hatten den frühen Traum von naturnahnen Bächen und grünen, naturverbindenden Bändern von den Rheinauen zum Schwarzwald.

Wenn jetzt im Jahr 2017 an der Elz zwischen Köndringen und Riegel wieder Dämme zurückverlegt werden, wenn aus der "Bach-Autobahn Elz" auf ersten Teilstücken ein mäandernder Fluss mit Kiesbänken und Auen wird, wenn der Lachs zurückkehren kann, dann hat das auch damit zu tun, dass aus dem Traum auch eine ständig wiederholte BUND-Forderung an die politisch Verantwortlichen wurde.


Um aus einem Traum Realität werden zu lassen, braucht es manchmal auch Geld. Mit den Ausgleichsgeldern für den Bahnausbau am Oberrhein, stand plötzlich viel Geld zu Verfügung. Von BUND-Geschäftsführer Axel Mayer kam die Forderung nicht, "mit der Gießkanne der Ersatzbiotope" über´s Land zu gehen, sondern sich auf die Bäche zu konzentrieren.

Aus dem Jahr 2002 stammt dieser wichtige BUND-Brief den sie vollständig unten auf dieser Seite finden:
(...)Die problematischsten Aspekte der Bahn-Neubaustrecke sind der Flächenverbrauch und die Landschaftszerschneidung. Wir brauchen also Projekte, die genau an diesen Problemfeldern ansetzen.
In der Vergangenheit wurden die meisten Mittel- und Unterläufe unserer Bäche und Flüsse zu gerade gestreckten, kanalisierten, naturfernen Kanälen umgebaut. Gerade Elz, Dreisam, Glotter, Acher, Rench, Kinzig und Schutter, - diese landschaftsprägenden Gewässer unserer Heimat könnten durch geeignete Maßnahmen, insbesondere durch Dammrückverlegungen, ökologisch aufgewertet und renaturiert werden.
Grüne Bänder, d.h. breite, naturnahe Korridore, teilweise mit Auecharakter, zwischen Schwarzwald und Rheinaue sollten als Ziel angestrebt werden(...)
Axel Mayer


Und es blieb nicht bei diesem einen BUND-Brief. Immer wieder wurde der "alten" Forderung Nachdruck verliehen und es folgte eine intensive, langjährige Pressearbeit. Der BUND-Regionalverband hat tausende Plakate und Postkarten gedruckt und auch Anzeigen in den lokalen Medien geschaltet. Die Renaturierung war auch ein wichtiger Punkt unserer BUND-Stellungnahme zum Bahnausbau...


Elz, Dreisam, Kinzig, Glotter - BUND Postkarte und Plakat mit der immer noch aktuellen Forderung nach Renaturierung


Heute sind auf großen, ersten Flächen an Elz und Dreisam wertvolle Biotope und Hochwasserrückhalteräume entstanden. Dämme wurden zurückverlegt, die Bäche können mäandern, auf großen Kiesflächen brüten Vögel und das kiesreiche Geschiebe wartet auf den wiederkehrenden Lachs, für den der BUND auch den Rhein endlich wieder durchgängig machen möchte.
Der Erfolg hat viele Väter und Mütter und der BUND möchte sich auch bei allen bedanken, die mitgeholfen haben, den alten Traum Realität werden zu lassen.

Daten zur Revitalisierung der Elz bei Riegel und bei Köndringen


1. Revitalisierung der Elz bei Riegel:
Gesamtfläche: 22 ha
Retentionsvolumen: 100.000 m³
Gesamtkosten DB: 3,1 Mio €
Kosten Dammsanierung: 2,2 Mio €

2. Revitalisierung der Elz bei Köndringen:
Gesamtfläche: 25 ha
Retentionsvolumen: 280.000 m³
Gesamtkosten DB: 3,7 Mio €
Kosten Dammsanierung: 2,6 Mio €

Quelle: Regierungspräsidium Freiburg


Der BUND bedankt sich auch bei den Planungsbehörden und ist zufrieden und unzufrieden. Manches steht noch am Anfang. Konflikte zwischen Naturschutz und Naturnützern müssen gelöst werden und viele, viele, trostlose, kanalisierte Bachabschnitte warten noch auf die Renaturierung. Die Behörden "lieben" teure Ausgleichsmaßnahmen, denn je teurer diese sind, desto weniger Flächen werden in Anspruch genommen. Die Natur braucht aber mehr reale Flächen als Ausgleich. Wir freuen uns über einige Hektar neue Auen und wissen, dass es in unserem Nachbarland Frankreich, entlang von Loire und Allier hunderte von Kilometern naturnahe Flusswälder und recht frei fließende Bäche und Flüsse gibt. In der geschundenen Restnatur am Oberrhein werden Naturflächen immer mehr zu kleinen Natur-Museen in einer zugebauten Landschaft.

Grillmeister & Flussregenpfeifer
Es ist faszinierend zu sehen, wie Menschen und Tiere sich die neue Wildnis zurückerobern. Eine natürliche Kiesbank lockt zum Baden und Grillen. Und auch bedrohte und scheue Arten wie der Flussregenpfeifer kommen vorsichtig zurück. Doch Grillmeister & bedrohte Arten wie der Flussregenpfeifer auf der gleichen Kiesbank vertragen sich nicht. Die Eier des seltenen Vogels lassen sich von runden Kieseln fast nicht unterscheiden und werden leicht zertreten. Darum wurden öffentlich zugängliche Areale und Gebiete für die bedrohte Natur geschaffen und es ist wichtig und sinnvoll, diese Trennung auch zu akzeptieren.


Die innenstadtnahe Renaturierung der Dreisam wird von den Menschen als Freizeitgelände sehr gut angenommen. In einem immer naturferneren Umfeld ist dies sehr erfreulich. Dennoch stellt sich für den BUND die Frage, ob Naherholungsgebiete tatsächlich mit Ausgleichsgeldern aus Naturzerstörung finanziert werden sollten.

Die neuen Natur-Flächen sind schön und wertvoll und dennoch immer auch erkennbar "Reparatur" und wir wissen, dass gerade jetzt mit europäischen Geldern in Südosteuropa die letzten frei fließenden Flusssysteme zerstört und die alten Fehler der Vergangenheit wiederholt werden. So ist das Glas halb voll und halb leer, aber ohne den Druck des BUND und der Umweltbewegung wäre es ganz leer...
Die Natur aus zweiter Hand an Elz, Dreisam, Kinzig und Glotter wird sich entwickeln. Kommende Hochwasser werden sie mehr verändern als manche Planer heute planen und wir warten auf Lachs und Flussregenpfeifer.

Axel Mayer, BUND Geschäftsführer


Notwendige Nachträge und Ergänzungen:


Der Erfolg hat viele Väter und Mütter und der BUND möchte sich auch bei allen bedanken, die mitgeholfen haben, den alten Traum (in ersten Teilbereichen) Realität werden zu lassen. Wir bedanken uns insbesondere bei Bernd Walser, Nik Geiler und Jörg Lange, bei Otmar Josef von der IG Elz, bei der IG Dreisam und den regionalen Fischereiverbänden.


Die wenigen, erhalten gebliebenen, historischen Altstädte,die restlichen Naturschutzgebiete am Oberrhein und die renaturierten Teilstücke von Elz, Dreisam, Kinzig & Glotter verbindet eines: Sie sind zunehmend Inseln in einem Meer von Scheußlichkeit.
Axel Mayer


Ein BZ Artikel
vom 29.4.2017 zeigt, dass die alten Forderungen langsam Realtität werden.




Flugblatt zum Thema "Renaturierung Elz und Dreisam"


Wir haben zu diesem Thema ein aktuelles Flugblatt gedruckt. Dieses können Sie für nur 2ct pro Exemplar (zzgl.Versandkosten) in unserem BUND-Shop bestellen, im BUND Büro in Freiburg kostenlos abholen oder als kostenlose PDF-Datei hier herunterladen.


Titelbild des Flugblatts




Mehr Infos:

  • Elz



  • Bahnausbau: Ein Positionspapier des BUND-Regionalverbands Südlicher Oberrhein
    (Auszug aus dem BUND-Positionspapier)
    Unsere Hauptforderung bei den Ausgleichsmaßnahmen: Mehr Platz für Bäche und Flüsse
    Die problematischsten Aspekte der Neubaustrecke sind der Flächenverbrauch, die Landschaftszerschneidung und der Lärm. Wir brauchen also Projekte, die genau an diesen Problemfeldern ansetzen.
    Die meisten Mittel- und Unterläufe unserer Bäche und Flüsse wurden zu gerade gestreckten, kanalisierten, naturfernen Kanälen umgebaut. Möhlin, Elz, Dreisam, Glotter, Schutter, Kinzig – diese landschaftsprägenden Gewässer unserer Heimat könnten durch geeignete Maßnahmen, insbesondere durch Dammrückverlegungen, ökologisch aufgewertet und renaturiert werden. So könnten auch zusätzliche Möglichkeiten zur Hochwasserrückhaltung geschaffen werden. Es sollte auch versucht werden, durch geeignete bauliche Maßnahmen (z.B. breite Durchlässe unter Autobahn und Neubautrasse) die Wandermöglichkeit von Tieren entlang der Bäche wieder zu verbessern. Grüne Bänder, d.h. breite, naturnahe Korridore, teilweise mit Auecharakter zwischen Schwarzwald und Rheinaue sollten als Ziel angestrebt werden. Nicht teure Ingenieurbiologie, sondern zusammenhängende Flächen, insbesondere die weniger wertvollen Böden in Bachnähe, werden gebraucht. Dazu gehört auch die Wiedervernässung von Wiesen in Flussnähe, als Maßnahme für einen wirklichen Biotopverbund. Für Teilabschnitte der Dreisam liegen fertig ausgearbeitete Konzepte vor. An Hand dieses Beispiels sollte geprüft werden, an welchen Gewässern der Region mit dem geringsten finanziellen Aufwand der größtmögliche Effekt für Mensch und Natur erzielt werden könnte.




    Text einer "alten" Presseerklärung vom 16.08.2002


    Mehr Hochwasserschutz und mehr Naturschutz -
    eine Chance für Rhein, Elz, Dreisam, Glotter, Kinzig, Rench, Kinzig und Schutter


    Die verheerenden Jahrhunderthochwasser im Oktober 2002 in Bayern und im Osten der Republik zeigten auch die ökologischen Sünden der Vergangenheit und der Gegenwart.

    Aber auch in Südbaden wurde zu nahe an die Flüsse – in ehemalige Überschwemmungsflächen - gebaut. Und auch bei uns gab es schon Hochwasser - aber die kanalisierten Fließgewässer führen die Hochwasser zumeist schnell ab. Die zu Kanälen geronnenen Flüsse unserer Heimat Elz, Dreisam, Glotter, Kinzig und Rhein schaffen aber Hochwasserprobleme flussabwärts. Aus diesem Grund muss das Integrierte Rheinprogramm, mit menschen- und auenverträglichen Einstauhöhen endlich umgesetzt werden. (mehr Infos zum Rheinprogramm IRP auf dieser Homepage)

    Eine Chance für mehr Hochwasserschutz und mehr Naturschutz und eine Chance für die regionalen Fließgewässer bieten die, im Rahmen des Bahnausbaus, notwendigen Ausgleichsmaßnahmen, für die um die 100 Mio. Euro zur Verfügung stehen sollen.

    Die Deutsche Bahn AG plant den Zubau zweier zusätzlicher Gleise im Oberrheingraben. Der BUND sieht das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir wollen die Stärkung und den Ausbau der Bahn und akzeptieren darum den Trassenbau. Gleichzeitig aber bedeutet die Neubautrasse einen besonders schweren und unumkehrbaren Eingriff in die geschundene Restnatur im Rheintal. Darum muss vor dem sogenannten "Ausgleich" stets das Ziel der Minimierung der Eingriffe stehen.

    Die problematischsten Aspekte der Neubaustrecke sind der Flächenverbrauch, die Landschaftszerschneidung und der Lärm. Wir brauchen also Projekte, die genau an diesen Problemfeldern ansetzen.

    In der Vergangenheit wurden die meisten Mittel- und Unterläufe unserer Bäche und Flüsse zu gerade gestreckten, kanalisierten, naturfernen Kanälen umgebaut. Gerade Elz, Dreisam, Glotter, Acher, Rench, Kinzig und Schutter, - diese landschaftsprägenden Gewässer unserer Heimat könnten durch geeignete Maßnahmen, insbesondere durch Dammrückverlegungen, ökologisch aufgewertet und renaturiert werden.

    So könnten auch zusätzliche Möglichkeiten zur Hochwasserrückhaltung geschaffen werden. Es sollte auch versucht werden, durch geeignete bauliche Maßnahmen (z.B. breite Durchlässe unter Autobahn und Neubautrasse) die Wandermöglichkeit von Tieren entlang der Bäche wieder zu verbessern.

    Grüne Bänder, d.h. breite, naturnahe Korridore, teilweise mit Auecharakter, zwischen Schwarzwald und Rheinaue sollten als Ziel angestrebt werden. Nicht teure Ingenieurbiologie und Grünbrücken sondern zusammenhängende Flächen in Bachnähe werden gebraucht. Dazu gehört auch die Wiedervernässung von Wiesen in Flussnähe als Maßnahme für einen wirklichen Biotopverbund. Es sollte geprüft werden, an welchen Gewässern der Region mit dem geringsten finanziellen Aufwand der größtmögliche Effekt für Mensch, Natur und Umwelt erzielt werden könnte.


    Neben diesem zentralen Schwerpunkt für die Ausgleichsmaßnahmen, gibt es noch eine Vielzahl von wichtigen und sinnvollen Projekten und Vorschlägen, die von den Naturschutzverbänden unterstützt werden.
    Axel Mayer



















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    in den wichtigen, aktuellen Naturschutzkonflikten am Oberrhein? Es gibt am Oberrhein eine Vielzahl von Menschen mit einem großen Wissen und Sachverstand in Sachen Natur und Umwelt. Doch in den großen Konflikten um unsere bedrohte Restnatur, sei es beim IRP, beim Schmetterlingssterben, bei den Themen Flächenverbrauch und Zersiedelung halten sie sich meist "vornehm" und schüchtern zurück und überlassen die öffentliche Debatte & Leserbriefe den gut organisierten Lobbyisten und dem Stammtisch. Manche Spezialisten sehen auch nur ihr "Lieblingsbiotop" und vergessen darüber den großen Zusammenhang. Nur gemeinsam können wir wir die aktuellen Zerstörungsprozesse bremsen!
    Axel Mayer









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    Dieser Artikel wurde 802 mal gelesen und am 17.8.2017 zuletzt geändert.