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Gentechnik: Saatmais: (gezielt) verwehte Gene

BUND Regionalverband entdeckt genverunreinigtes Saatgut

Die Information kam aus Frankreich. Dort hatten Öko-Landwirte im Frühjahr 1999 gentechnische Verunreinigungen in konventionellem Saatmais der Firma Pioneer entdeckt. Gut, dass beim BUND Regionalverband in Freiburg Jean Paul Lacôte, ein französischer Umweltschützer, mitarbeitet. Er hatte den Tipp aus Frankreich erhalten und drei Säcke Saatmais von badischen Händlern besorgt.

So kam der BUND in den Besitz von 240 000 Körnern Mais, der eigentlich nicht gentechnisch verändert sein durfte. Ein Anruf von BUND Regionalgeschäftsführer Axel Mayer beim Freiburger Wirtschaftskontrolldienst, mit einem Hinweis auf einen möglichen Verstoß gegen das Gentechnikgesetz, brachte dann die Lawine ins Rollen.

Polizei beschlagnahmt Saatgut
Nach Rücksprache mit dem Freiburger Oberstaatsanwalt beschlagnahmte die Polizei die drei Saatmaissäcke in der Freiburger Regionalgeschäftsstelle.

Eine Untersuchung bei der Chemischen Landesuntersuchungsanstalt in Freiburg bestätigte die Befürchtungen des BUND: Zwei der drei Säcke mit Herkunftsbezeichnung USA enthielten geringfügige gentechnische Verunreinigungen. Verwehte Gene, vermutlich von Nachbarfeldern in den USA, hatten das konventionelle Saatgut verunreinigt. Der Pioneer Mais enthielt u.a. auch Spuren von Novartis-Genmais Bt11, der in Europa nicht zugelassen ist.

Verbraucherrechte werden gezielt ausgehebelt
Diese Verunreinigung ist ein Skandal, denn so wird das Recht der Bürger, zwischen manipulierter und unmanipulierte Nahrung wählen zu können, gezielt ausgehebelt. Mit dem Sachzwangprinzip wollen Firmen wie Pioneer vollendete Tatsachen schaffen. Das gentechnisch verunreinigte Saatgut wird von den Firmen ausgeliefert, und nach der Ernte ist die gewollte Vermischung unumkehrbar. Still und heimlich sollen die VerbraucherInnen an eine gentechnische Verunreinigung aller Lebensmittel gewöhnt werden. An den entsprechenden Grenzwerten wird europaweit schon gearbeitet. Doch dieser bösen Form von heimlicher Akzeptanzerzwingung für Genfood hat der BUND einen Strich durch die Rechnung gemacht. Heimlich ging der Pioneer Deal nicht mehr über die Bühne.

Öffentlichkeitsarbeit
In bester Zusammenarbeit hat der kleine BUND Regionalverband in Freiburg mit Dan Leskien vom Bundesarbeitskreis Gentechnik und Lucian Haas von der BUND Pressestelle in Bonn bundesweit die Medien informiert. Diese Medieninformation führte dazu, daß viele Landwirte ihr Pioneer-Saatgut gegen unbelasteten Mais austauschten, denn viele Bauern sind es leid, immer die Prügel für die Sünden der Agrochemiemultis einzustecken. Bei allen Nahrungsmittelskandalen der letzten Jahre (Rinderwahnsinn, Hormonskandal, Dioxine in Lebensmitteln...) haben die Landwirte die Prügel bezogen und nicht die Konzerne die im Hintergrund agieren, Antibiotika und Kadaver ins Futter mischen und Nahrungsmittel manipulieren.

Friends of the earth, das internationale Netzwerk in dem der BUND aktiv mitarbeitet, informierte weltweit alle Umweltorganisationen über den Skandal, der in Freiburg aufgedeckt wurde.

Vorbildliche Schweiz
Schweizer Umweltschützer des Basler Appells gegen Gentechnologie informierten die dortigen Behörden. Und die kleine Schweiz zeigte konsequenten Verbraucherschutz. Das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft hat ein Handelsverbot und die Vernichtung des bereits ausgesäten Saatgutes angeordnet. Die gentechnische Verunreinigung kommt Pioneer teuer zu stehen. Zum finanziellen Verlust kommt der Vertrauensverlust in den Saatgutmulti.

Ein so konsequentes Vorgehen wie in der Schweiz hätten wir uns auch von den deutschen Behörden und Politikern erhofft. Der BUND hat die verantwortlichen Minister angeschrieben.

Und vor der nächsten Aussaat wird der BUND den Konzernen wieder auf die Finger und die Saatgutsäcke schauen.

Genmais und Gesundheit
Mit der Manipulation von Nahrungsmitteln hat die agrochemische Industrie einen weltweiten Großversuch in Sachen Gesundheit gestartet. Versuchskaninchen sind wir alle. Besondere Sorge bereitet dem BUND das künstlich eingeschleuste Antibiotika-Resistenz-Gen im Mais. Es könnte zu einer sinkenden therapeutischen Effizienz von Antibiotika führen. Der Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht hat bereits jetzt schon dazu geführt, daß diese wirksame Waffe im Kampf gegen Krankheiten stumpf wurde. Wie gentechnisch veränderte Nahrungsmittel langfristig auf die Gesundheit der Menschen wirken, ist nicht abzusehen. Im Gegensatz zur Agrochemieindustrie hat der BUND DDT, Hormonfleisch und Rinderwahn nicht vergessen.

Axel Mayer, Geschäftsführer
hier: Gentechnik Information des BUND
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Dieser Artikel wurde 4663 mal gelesen und am 23.11.2016 zuletzt geändert.