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Schweiz: Neue Standorte für Atommülllager oder nur ein Versuch zur Akzeptanzbeschaffung?

06.11.2008
Heute Nachmittag hat die Nagra an der Medienkonferenz des Bundesamtes für Energie mögliche geologische Standortgebiete für Tiefenlager radioaktiver Abfälle vorgestellt.

“Für das Lager für hochaktive Abfälle werden die Gebiete Zürcher Weinland, Nördlich Lägern und Bözberg vorgeschlagen, in denen das bevorzugte Wirtgestein – der Opalinuston – in geeigneter Ausdehnung und Tiefenlage vorkommt. Für die schwach- und mittelaktiven Abfälle kommen – neben den drei bereits oben genannten – die Gebiete Südranden, Jura-Südfuss sowie Wellenberg in Frage. Für diese Abfälle eignen sich neben dem Opalinuston als Wirtgesteine die Effinger Schichten, der Braune Dogger und die Mergelformationen des Helvetikums.” Zitatende Quelle Nagra

Gegenüber den früheren Überlegungen, die sich in Sachen hochradioaktiver Müll hauptsächlich auf den Standort Benken bezogen, ist das zumindest ein kleiner Fortschritt. Offen ist allerdings die Frage, ob es tatsächlich um eine Prüfung der Geologie oder um eine Prüfung der Akzeptanz in den möglichen Endlagerregionen geht. Um gefährliche und problematische Projekte durchzusetzen ist es nach Ansicht von Akzeptanzforschern immer besser “verschiedene” Standorte zu haben, um diese gegeneinander ausspielen zu können.

Offen bleibt auch die wichtige Frage nach der “Qualität” und der internationalen Vergleichbarkeit der Standorte. Findet sich in der kleinen, geologisch aktiven Schweiz (Alpen) mit dünnen Sedimentschichten tatsächlich ein Standort, der Atommüll für mindestens eine Million Jahre “sicher” einschließen kann? Alle bisherigen Untersuchungen zeigen hier große Unsicherheiten.

Auch die Umweltbewegung hat ein Problem. Es ist überhaupt keine Frage, dass der produzierte Atommüll in ein möglichst sicheres Lager muss. Aber kann man sich auf diese Debatte einlassen, wenn gleichzeitig die alten gefährlichen AKW weiterlaufen, oder wenn sogar neue schweizer AKW geplant werden und ein Endlager nur die Akzeptanz der Atomkraft erhöhen soll?

Die heutigen Proteste aus Nidwalden zeigen, was auf die Nagra zukommt. Auffallend ist, dass für den gefährlichen, hochradioaktiven Atommüll wieder einmal die grenznahen Standorte Zürcher Weinland, Nördlich Lägern und Bözberg im Gespräch sind. Ein “Endlager” für die gefährlichsten Gifte der Menschheit ist keine rein nationale Angelegenheit. Die Nachbarn wollen Beteiligung und nicht nur die Illusion von Beteiligung.

Axel Mayer / BUND Geschäftsführer

Atommüll, Schweiz, Benken, Bözberg, NAGRA: eine kritische Hintergrundinformation


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Dieser Artikel wurde 3911 mal gelesen und am 6.11.2008 zuletzt geändert.