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Siedewasserreaktor 2018 = Reaktortyp Fukushima: Wie funktioniert ein AKW /Atomkraftwerk?


Siedewasserreaktor 2018 = Reaktortyp Fukushima: Wie funktioniert ein AKW /Atomkraftwerk?

Der Siedewasserreaktor
ist ein Atomreaktor, der dem Druckwasserreaktor in vielem ähnelt. Nur wenige, ältere Atomkraftwerke haben Siedewasserreaktoren. Ein Siedewasserreaktor ist ein wassergekühlter und wassermoderierter Atomreaktor und gehört wie der Druckwasserreaktor zu den Leichtwasserreaktoren.

Im Gegensatz zum Druckwasserreaktor
gibt es aber nur einen einzigen Wasser–Dampfkreislauf, was eine besondere Schwachstelle dieses Reaktortyps ausmacht. Der Reaktordruckbehälter ist zu ungefähr zwei Dritteln mit Wasser gefüllt. Durch die bei der Kernspaltung in den Brennelementen entstehende Wärme, verdampft ein Teil des Wassers bei 71 Bar und 286°C im Druckbehälter; dieser Dampf treibt die Turbine direkt an. Steuerstäbe dienen zur Regelung und zur Abschaltung des Atomreaktors. Sie können aus technischen Gründen nur von unten eingeführt werden. Wenn sich Steuerstäbe im Reaktorkern befinden, absorbieren sie einen Teil der durch die Kernspaltung freigesetzten Neutronen, sodass diese nicht für weitere Kernspaltungen zur Verfügung stehen. Auf diese Weise wird das unkontrollierte Anwachsen der Kettenreaktion im Reaktor verhindert.

Der „Verzicht“ auf einen zweiten Wasserkreislauf
im Siedewasserreaktor führt dazu, dass radioaktiv kontaminiertes Wasser auch ins Maschinenhaus und an die Turbinen kommt. So werden Rohrleitungen und Teile der Turbinen durch den permanenten Kontakt mit diesen radioaktiven Stoffen im Laufe der Zeit an der Oberfläche kontaminiert. Aus diesem Grund sollte auch das Maschinenhaus wegen radioaktiver Belastung möglichst wenig betreten werden. Technische Probleme an mechanischen Teilen (Turbinen u.ä.) führen dazu, dass Reparaturen wesentlich aufwändiger sind. Den einzigen Wasserkreislauf durch das sicherheitstechnisch sehr schlecht gegen Anschläge und Erdbeben geschützte Maschinenhaus zu führen, stellt auch ein besonderes Sicherheitsrisiko dar.


In jedem AKW,
also auch in jedem Siedewasserreaktor, wird in einem Betriebsjahr pro Megawatt elektrischer Leistung ungefähr die Radioaktivität einer Hiroshima-Bombe erzeugt. Das heißt, dass in den drei betroffenen Reaktoren mit 460, 784 und 784 MW Leistung im Jahr in etwa die kurz- und langlebige Radioaktivität von ca. 2028 Hiroshima-Bomben entsteht. Dazu kommen die vielen, alten, "abgebrannten" Brennelemente auf dem Werksgelände insbesondere in Block 4. Ein Teil dieser radioaktiven Stoffe zerfällt sehr schnell, andere (Plutonium) sind bei Halbwertzeiten von von über 24 000 Jahren faktisch dauerhaft vorhanden.

Alternde AKW (z. Bsp. in Leibstadt
mit versprödeten Reaktordruckgefäßen (nicht nur in Japan, sondern auch in Deutschland) vergrößern die Unfallgefahr, doch schwere Atomunfälle sind auch in neuen AKW möglich. Das Problem sind insbesondere Katastrophenabläufe, mit denen im Vorfeld weder BefürworterInnnen noch KritikerInnen gerechnet haben.


Es ist unerklärlich, warum viele Spitzenpolitiker von "liberalen" und "konservativen" Parteien dieses Krebsrisiko nicht sehen wollen. Es ist ebenso unerklärlich, warum immer noch Menschen ihren Gefahrstrom von den Atomkonzernen E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW beziehen.
Stromalternativen:



Aktueller Einschub


Aktuell & Wichtig 2018:


Ein Arte-Film zum Thema Atomterrorismus, der auch jedes AKW in Deutschland treffen könnte.



Atommülllager Schweiz in Grenznähe am Hochrhein 24.11.2017


Wie der BUND-Regionalverband schon vor vielen Jahren "vermutet" hatte, ist die Schweiz in Sachen Endlager wieder bei den Ausgangsstandorten in Grenznähe angekommen. Beim so genannten Auswahlverfahren ging es nicht um eine Standortauswahl, sondern um Durchsetzungsstrategien und Akzeptanzschaffung. Je direkter die Demokratie, desto besser die Durchsetzungsstrategien für ein Atommülllager. Wir brauchen ein „möglichst sicheres“ Endlager, denn die die Menschheit ist zu unzuverlässig um Atommüll dauerhaft überirdisch zu lagern.

Eine zentrale Frage wird gezielt nicht diskutiert:
Im internationalen Vergleich verfügen die jetzt diskutierten Standorte nur über sehr schmale Schichten von Opalinuston. Diesen, für Sicherheitsfragen so wichtigen, internationalen Vergleich scheut die Schweizer Atomlobby wie der Teufel das Weihwasser. Geschickt haben die Durchsetzungsstrategen des Atomlagers diese zentrale Sicherheitsfrage bisher aus der (veröffentlichten) Diskussion herausgehalten. Meidet die "Killing Fields" der öffentlichen Debatte nennen PR-Agenturen eine solche Strategie.

Wir brauchen ein „möglichst sicheres“ Endlager, denn die die Menschheit ist zu unzuverlässig um Atommüll dauerhaft überirdisch zu lagern. Die geologischen Sonderbedingungen der Schweiz (wachsende Alpen , dünner Opalinuston...) erlauben es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, hochradioaktiven Atommüll eine Million Jahre sicher zu lagern. Plutonium hat eine längere Halbwertszeit als Nationalstaaten.


Axel Mayer, Vizepräsident TRAS

Mehr Infos zum Thema Atommüll Schweiz


Risiko Plutonium (nicht nur) im AKW Fukushima
Seit dem Herbst 2010 wurde laut Spiegel Online Reaktor 3 in Fukushima nicht nur mit Uran, sondern auch mit dem noch viel gefährlicheren Plutonium betrieben. "Am 26. Oktober 2010 teilte das Unternehmen offiziell mit, dass im Reaktor 3 des Kraftwerks Fukushima I sogenannte Mischoxid-Brennelemente zum Einsatz kommen. Es ist ausgerechnet jener Reaktor, dem nach Angaben der japanischen Regierung jetzt eine Kernschmelze und eine Wasserstoff-Explosion droht" Vor dem Einsatz der Mischoxid-Brennelemente (Mox) in deutschen AKW hatte der BUND immer wieder gewarnt.

"Die Radiotoxizität von Plutonium ist enorm: Schon die Einnahme einer Menge im zweistelligen Milligramm-Bereich gilt als tödlich, während die letale Dosis bei Uran zwischen einem Gramm und fünf Gramm liegt - je nachdem, wie es in den Körper gelangt. Noch gefährlicher ist allerdings die radioaktive Strahlung von Plutonium. Wird der Stoff eingeatmet, genügt vermutlich schon eine Menge von wenigen Mikrogramm, um Krebs auszulösen. Die Alphastrahlung des Plutoniums kann zwar nicht die Haut durchdringen, im Inneren des Körpers aber schwere Strahlenschäden verursachen - insbesondere an den Knochen und in der Leber."
Quelle: Spiegel Online



Schwere Unfälle in deutschen Siedewasserreaktoren (kleiner Auszug)


  • Der Siedewasserreaktor in Gundremmingen / Bayern
    Der Block A musste 1977 durch einen schweren Unfall mit radioaktiven Verseuchungen und Totalschaden stillgelegt werden. Die Atomlobby hat es sehr erfolgreich verstanden, diesen schweren Unfall aus dem Gedächtnis der Menschen zu „löschen“.

  • Atomunfall im Siedewassereaktor Brunsbüttel.
    Dieser Unfall vom 14. Dezember 2001, wurde vom "Spiegel" als den bisher gravierendsten Unfall in einem deutschen Atomkraftwerk bezeichnet. Er wurde von den Betreibern eine ganze Zeit lang als "spontane Dichtungsleckage" beurteilt und als "Routineproblem" behandelt. Untersuchungen der Wasserstoffexplosion, die im Sicherheitsbehälter des Siedewasserreaktor Brunsbüttel eine Rohrleitung über etwa drei Meter völlig zerfetzte, ergaben jedoch ein weitaus gefährlicheres Schreckenszenario.


Atomkraftwerke - Keine Sicherheit bei Erdbeben, Terroranschlägen und Flugzeugabsturz


Bei einem Unfall
Erdbeben oder Terroranschlag wird das AKW mit Hilfe der Steuerstäbe zwar (wenn möglich) abgeschaltet, dennoch wird durch den radioaktiven Zerfall der Spaltprodukte weiterhin noch mehrere Tage eine extrem große Wärmemänge produziert.
Um die Nachzerfallswärme auch in Katastrophenfällen sicher abführen zu können, besitzen alle Atomkraftwerke Notkühlsysteme. Wenn diese redundant angelegten Systeme versagen, kann es durch die steigenden Temperaturen zu einer Kernschmelze kommen.
Wenn mehrere Kernbrennstäbe miteinander verschmelzen, verstärkt sich die Kettenreaktion; Knallgas kann sich bilden und es kommt zu einer enormen unkontrollierten Aufheizung und Explosion. Hält das Reaktorgebäude nicht stand oder tritt eine größere Menge radioaktiver Stoffe aus, wird vom Super-Gau gesprochen.



Das Ökoinstitut Darmstadt
hat die räumlichen Folgen einer solchen Katastrophe am Beispiel des Druckwasserreaktors im französischen AKW Fessenheim berechnet (Hintergrund der Studie war ein angenommener schwerer Atomunfall im französischen, nicht erdbebensicheren EDF-/EnBW-Atomkraftwerk Fessenheim): „Bei lebhaftem Südwestwind mit Regen würde sich eine bis zu 370 km lange Schadensfahne von Fessenheim bis in den Raum Würzburg-Nürnberg erstrecken. In deren Bereich müssten alle Siedlungen auf 50 Jahre geräumt werden, sollten die Richtlinien von Tschernobyl zur Anwendung kommen.“ Die jetzigen, lächerlich kleinen Evakuierungsradien um das AKW Fukushima sind ein Verbrechen an der dort lebenden Bevölkerung. Die Evakuierungszonen in Japan müssen auf über hundert Kilometer ausgedehnt werden und die deutschen "Notfallschutzpläne" gehören auf den Müll! BUND-Kritik am Katastrophenschutz, der heute "wohlklingender" Notfallschutz heißt

Katastrophenschutz??


BUND-Kritik am so genannten Katastrophenschutz

Axel Mayer / BUND Geschäftsführer






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Dieser Artikel wurde 104725 mal gelesen und am 13.1.2018 zuletzt geändert.