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Stocamine: Lösungsvorschläge nicht enkelgerecht

08.07.2011


Stocamine: Lösungsvorschläge nicht enkelgerecht

Am 7.Juli 2011 wurde, begleitet von Protesten, in Wittelsheim (F) das Ergebnis der Expertenstudie bezüglich der Zukunft des Giftmülls von Stocamine der Öffentlichkeit bekannt gegeben.

Vorgeschlagen wurde u.a., nur einen kleinen Teil des gefährlichen Mülls (Quecksilber) sofort zu bergen, den Rest „so gut wie möglich“ zu sichern und das Absaufen der Grube durch ständiges Pumpen zu verhindern.

Die anschließende Debatte zeigte, dass die direkt Betroffenen und die elsässischen BI´s und Umweltverbände mit dieser Lösung nicht zufrieden sind und eine langfristige, überregionale Grundwasservergiftung am Oberrhein befürchten. Sie stehen zum Konzept einer umfassenden Sanierung. Dieser Ansicht und Kritik schließt sich auch der Bund für Umwelt und Naturschutz an.

Die Verantwortlichen vertraten heute leider wieder einmal eine kurzsichtige, nicht enkelgerechte Lösung.

Bei der maroden Atommülldeponie Asse haben wir in Deutschland vergleichbare Probleme. Im Gegensatz zur Stocamine wird dort jetzt aber die kurzfristig teure, langfristig aber kostengünstigere Sanierung angegangen.

Ein wenig makaber ist die Tatsache, dass jetzt das Quecksilber geborgen werden könnte. Schon im Planungsverfahren für die Stocamine hatten die grenzüberschreitenden Umweltverbände gesagt, dass Quecksilber in einer Deponie nichts verloren hat. Quecksilber muss recycled werden. Doch Recycling war damals einfach ein wenig teurer als die Deponierung. Die damalige, unökologische Kosteneinsparung kommt jetzt die SteuerzahlerInnen teuer zu stehen. Hätten die Behörden auf die Umweltschutzorganisationen gehört, wäre viel Geld gespart worden.

Das heutige Ergebnis der Expertenstudie geht wieder einmal in Richtung einer langfristig teuren, umweltgefährdenden Billiglösung. Doch das Verschieben von Problemen in die Zukunft (Klimawandel, Atommüll, Staatsschulden...) liegt heute leider im Trend. Doch noch ist das letzte Wort in Sachen Stocamine nicht gesprochen.

Axel Mayer, BUND Geschäftsführer

  • Mehr BUND-Infos zur Stocamine, der kleinen Asse am Oberrhein:hier
  • Zur Homepage der französischen Bürgerinitiative Destocamine:hier

    Stocamine: Vor der Entscheidung



    (Presseerklärung vor der Sitzung)

    Stocamine: Vor der Entscheidung über das Grundwasser am Oberrhein


    An manchen Tagen lüftet sich der Schleier über der „Umweltregion Oberrhein“ und unter dem schönen Schein wird sichtbar, dass Zukunftsgefährdung und globale Raubbauwirtschaft auch bei uns keine Fremdwörter sind.

    Am 7. Juli wird in Wittelsheim das Ergebnis der Expertenstudie bezüglich der Zukunft des Giftmülls von Stocamine der Öffentlichkeit bekannt gegeben.
    Die "modernste und beste" Giftmülldeponie Frankreichs wurde 1999 im Elsass in Betrieb genommen. BI´s, Alsace Nature und BUND hatten immer wieder auf die Gefahren hingewiesen. Am 10. September 2002 hatte der GAU in der Giftmülldeponie Stocamine stattgefunden. Ein Brand war in der „sichersten“ Deponie Frankreichs in 500 Metern Tiefe in einem Stollen des Salz-Lagers ausgebrochen. Dort befanden sich 45.000 Tonnen "nicht brennbare" Industrieabfälle, darunter Zyanid, Asbest, Arsen, sowie chrom- und quecksilberhaltige Substanzen. Das Feuer konnte erst zweieinhalb Monate später gelöscht werden und gefährdet die Stabilität der Stollen.

    Umweltverbände von beiden Rheinseiten hatten die „neue“ Deponie schon im Planfeststellungsverfahren massiv kritisiert, waren aber nicht gehört worden. Wie so häufig haben die "Experten" und Behörden die Bedenken der Umweltschützer als Panikmache abgetan. Im Jahr 2011 wurde deutlich, dass die „kleine Asse am Oberrhein“ langfristig eines der größten Grundwasserreservoire in Europa, den Oberrheingraben, massiv gefährden wird.

    Jetzt am 7. Juli haben die Politiker, Behörden und Experten die Wahl zwischen einer kurzfristig teuren und einer langfristig schlechten noch teureren Alternative. Bezahlen werden, wie in fast allen solchen Fällen, die SteuerzahlerInnen und nicht die Verantwortlichen.

    Es geht um die Frage ob der grundwassergefährdende Giftmüll der Stocamine wieder ausgegraben wird oder im Boden bleibt. Die marode Atommülldeponie Asse zeigt, dass die Sanierung sehr teuer ist. Der Verbleib der Gifte und die Gefährdung des Grundwassers am Oberrhein wird für die nachfolgenden Generationen aber wesentlich teurer. Die heute Verantwortlichen Politiker, Behörden und Experten würden diese Vergiftung zwar verantworten, allerdings nicht mehr erleben.

    Der BUND fordert mit den französischen Verbänden eine zukunftsfähige, enkelgerechte Lösung und die schnelle Sanierung der Stocamine und den nachhaltigen Schutz des Grundwassers.

    Ob sich in Zeiten des kurzfristigen Denkens die ökologische Vernunft durchsetzt, ist nach den vielen Pleiten, Pech und Pannen in der kurzen Chaosgeschichte der Stocamine allerdings unwahrscheinlich.

    Um 9 Uhr morgens findet die presseöffentliche Sitzung in Wittelsheim statt. Ab 8.30 Uhr werden französische Umweltschützer für eine nachhaltige Problemlösung demonstrieren. Der BUND wird die kleine Aktion unterstützen.

    Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer




    Stocamine Protest

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    Stocamine: Vor der Entscheidung


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    Dieser Artikel wurde 3129 mal gelesen und am 7.11.2016 zuletzt geändert.