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Altlast Teningen: Die Sanierung der Kiesgrube (Schuttloch) zahlen wir alle

06.11.2007
Nachtrag 6.2012:
Das alte Schuttloch in Teningen ist leider nicht die einzige Altlast der Firma FRAKO. Ein vergleichbares Grundwasser-Problem gibt es auch in Köndringen.
Hier gibt´s Info der Köndringer Bürgerinitiative.




Giftmüllkippe Teningen: Die Sanierungskosten tragen wir alle


Endlich wird eine der problematischsten Altlasten in Südbaden saniert: die ehemalige Teninger Müllkippe an der Autobahn.

Die im Volksmund "Schuttloch" genannte Müllkippe zeigt exemplarisch, wie leichtfertig und verantwortungslos in der Vergangenheit mit gefährlichen Giften umgegangen wurde.

Ab dem Jahr 1954 wurde ein kleiner Baggersee, also offen liegendes Grund- und damit Trinkwasser , mit Haus- und Industriemüll verfüllt. Besonders problematisch waren die PCB-haltigen Kondensatoren der Köndringer Firma FRAKO, aber auch die Abfälle des Teninger Tscheulinwerks.

BUND-Geschäftsführer Axel Mayer kennt die Altlast aus eigener Anschauung noch aus seiner Kindheit in Teningen. Als Sprecher der ehemaligen Bürgerinitiative Riegel hatte er schon 1984 die Sanierung der Altlast gefordert. Damals hatten sowohl die Gemeinde Teningen als auch die BI Riegel das Thema intensiv aufgegriffen.

Jetzt wird, 23 Jahre später, endlich mit der Sanierung begonnen. Es ist auch nach Ansicht des BUND erfreulich, dass Bürgermeister Hermann Jäger das wichtige Thema immer wieder eingebracht hat und jetzt über das Land auch endlich einen Zuschussgeber gefunden hat.

Dennoch wäre die Entfernung der Altlasten aus dem Baggersee der bessere Ansatz gewesen, die "Ummantelung" im Grundwasserkörper ist höchstens die zweitbeste, allerdings wesentlich kostengünstigere Lösung. Ziel muss es nach Ansicht des BUND sein, das Grundwasser am Oberrhein dauerhaft zu schützen.

Ärgerlich ist aber auch, dass wie so häufig die Allgemeinheit für die Kosten aufkommt. 5,2 Mio. Euro soll die jetzt geplante Sanierung kosten, für die das Land (zu 86,25%) und die Gemeinde - also immer wir SteuerzahlerInnen - zahlen müssen.

Die industriellen Hauptverursacher schleichen sich aus der Verantwortung oder existieren nicht mehr.

Beim Uranabbau in Menzenschwand haben die Firmen gut verdient und die Sanierungskosten auf die Allgemeinheit abgewälzt. Die Kali und Salz AG versucht, sich aus der Verantwortung für die Sanierung des Bugginger "Salz-Kalimandscharos" zu stehlen.

Je "größer und einflussreicher" der Verursacher einer Umweltbelastung ist, desto kleiner ist die Wahrscheinlichkeit, dass er für die Folgen bezahlt. Diese Ungerechtigkeit ist nicht akzeptabel.

Mit Spannung schaut deshalb der BUND auf den in Kürze beginnenden Prozess wegen des Brands bei Stocamine im Elsass. Dort wird sich zeigen, ob die Verantwortlichen für den Brand des "nichtbrennbaren Giftmülls" sich ebenfalls aus der Verantwortung stehlen können.

Einen Baggersee mit Haus- und Industriemüll aufzufüllen, ist heute bei uns nicht mehr denkbar. Hier hat der Druck der Umweltbewegung und eine Änderung der Gesetze zu erkennbaren Fortschritten geführt. Doch der Brand und die Schließung des "modernsten Endlagers für Giftmüll" Stocamine im Elsass und die Überlegungen der Schweiz, Atommüll in Benken in viel zu dünnen Schichten Opalinuston zu lagern, zeigt, dass auch heute Wachsamkeit erforderlich ist, um nachfolgenden Generationen Probleme und Folgekosten zu ersparen.

Die wichtige und überfällige Sanierung der Teninger Altlast werden wir weiter kritisch begleiten.

Axel Mayer / BUND-Geschäftsführer 6.11.2007



Einige Infos:
-bis 1958 Kiesgewinnung
-ab 1954 Nutzung des Sees als Deponie für Hausmüll und Industriemüll (Frako / Tscheulin)
auf einer Fläche von 20 000 m². Große Teile des Grundwassers sind mit PCB belastet.
-ab 1973 Schließung der Deponie und "Umwandlung" in einen Parkplatz
-ab 1984 Die Bürgerinitiative Riegel und die Gemeinde Teningen greifen das Thema auf
-ab 1986 Erkundung der Altlast (Kosten für die SteuerzahlerInnen 1,7 Mio. Euro)
- 1996 Abschluss der Untersuchungen
-ab 2008 Beginn der Sanierung (geschätzte Kosten für die SteuerzahlerInnen 5,2 Mio. Euro)




Mehr Infos:
Grundwasser Oberrhein
Atommüllpläne Schweiz
Grundwasserversalzung


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Dieser Artikel wurde 4743 mal gelesen und am 10.6.2012 zuletzt geändert.