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Tiefengeothermie Pro & Contra 2018: Einige kurze Thesen

07.02.2018

Tiefengeothermie Pro & Contra 2018: Einige kurze Thesen


Tiefengeothermie ist die Nutzung der Erdwärme in Tiefen zwischen 400 und 5.000 Metern. Im Vergleich zur oberflächennahen Geothermie (mit der die Tiefengeothermie häufig verwechselt wird) sind in der Tiefe die Temperaturen weitaus höher. Neben der Wärmeversorgung ist Tiefengeothermie auch für die Stromerzeugung nutzbar. Ab einer Temperatur von etwa 90 Grad Celsius ist eine wirtschaftliche Stromerzeugung möglich. Der Vorteil der Geothermie ist ihre ständige Verfügbarkeit. Die geothermische Stromerzeugung in Deutschland steht noch am Anfang. Bis heute sind nur wenige Anlagen, vor allem in Süd- und Südwestdeutschland in Betrieb. Der Schwerpunkt bei der Tiefengeothermie liegt in der Bereitstellung von Prozess- und Heizwärme. Strom ist eher ein Nebenprodukt in besonders günstig gelagerten Fällen, d.h. bei Temperaturen von 130 - 180 Grad. Höhere Temperaturen zu erreichen ist mit der heutigen Technik schwierig, da die Pumpen das nicht mitmachen würden.

Im Gesamtenergiekonzept des BUND vom Oktober 2017 findet sich zur Tiefengeothermie nur dieser Abschnitt:
„Stromerzeugung aus Geothermie wird in diesem Zusammenhang nicht weiter einbezogen, da sich die bisherige Entwicklung als sehr begrenzt erwiesen hat und künftige real nutzbare Potentiale nur im Bereich von 0,1–1% des gesamten Endenergiebedarfs liegen.“

In einem älteren Grundsatzpapier des BUND werden Chancen und Risiken aufgelistet.

In der Zusammenfassung steht:
"Geothermie kann theoretisch sehr viel Energie bereitstellen – doch ihre Erschließung ist relativ aufwändig und bislang noch teuer. Der BUND ist dafür, den Strom aus geothermischen Anlagen weiter im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes erhöht zu vergüten. Der Schutz der Umwelt und besonders des Grundwassers ist bei der Stromerzeugung sicherzustellen.
Beim weiteren Ausbau der Geothermie sind Folgen für das Grundwasser, den Wasserhaushalt und den Natur- und Gewässerschutz zu untersuchen und zu minimieren."


Was sind die Gründe, die den Einsatz von Tiefengeothermie heute in Deutschland verhindern?
  • Das finanzielle Risiko einer solchen Bohrung (ca. 12 - 40 Mio.)
  • Der erste Kritikpunkt heißt immer "Staufen", das zweite "Basel" bzw. "Erdbeben".
    --Die Fehler in Staufen stehen für Pfusch und Dummheit - das kann man auch bei einer simplen Bahnunterführung haben (Rastatt).
    --In Basel hat die "Hot Dry Rock"-Bohrung ein kleines Erdbeben ausgelöst. Fachleute sagen aber, das würde Spannungen immer Untergrund abbauen und zukünftige große Beben verhindern.


BUND Geschäftsführer Axel Mayer sagt:
In den Abwägungsprozess um die objektiven Risiken der Geothermie müssen auch die großen "Alternativen" einbezogen werden, und das waren bisher Kohle und Atom. Geothermie erzeugt keinen Kinderkrebs und bei der Nutzung fällt kein Atommüll an, der eine Million Jahre gelagert werden muss. Bei einem Unfall müssen im Gegensatz zu den Regionen um Tschernobyl und Fukushima keine riesigen Landstriche dauerhaft evakuiert werden. Geothermie produziert kein CO2 und ist ein kleiner Ausweg aus der drohenden Klimakatastrophe. Bei der Nutzung der Geothermie müssen keine Menschen in Uran- und Kohlegruben sterben und Kriege um Erdwärme sind im Gegensatz zu Kriegen um Öl ebenso nicht sehr wahrscheinlich. Die Wertschöpfung bleibt im Land und mit den Gewinnen wird üblicherweise nicht der Islamische Staat subventioniert, was man von unserem Geld, das an die Ölscheichs fließt, leider nicht mit Sicherheit sagen kann.

Die alternativen Energien,
Windenergie, Photovoltaik, Wasserkraft und auch die Tiefengeothermie werden von den Anhängern der atomar-fossilen Energieerzeugung und örtlichen Bürgerinitiativen massiv bekämpft. Im Streit um eine zukunftsfähige, menschen- und umweltfreundliche Energieerzeugung gibt es keinen alleinseeligmachenden "Königsweg", sondern nur ein Ringen um gute Lösungen. In diesem Streit dürfen die jeweiligen Risiken & Nebenwirkungen der einzelnen Energieerzeugungsarten nicht ausgeklammert werden. Der konstruktive Streit um die Zukunft der Energieerzeugung, darf aber nicht zu einem generellen "Nein" zur Tiefengeothermie führen.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer







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Dieser Artikel wurde 334 mal gelesen und am 17.4.2018 zuletzt geändert.