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Umwelt - Neue Armut - Soziale Gerechtigkeit: Ein Redebeitrag von BUND-Geschäftsführer Axel Mayer bei G-20 Treffen in Baden Baden

17.03.2017

Umwelt - Neue Armut - Soziale Gerechtigkeit: Rede von BUND-Geschäftsführer Axel Mayer bei der Kundgebung gegen den G20-Gipfel am 18.3.17 in Baden-Baden


(Es gilt das gesprochene Wort / Keine Sperrfrist)

Hallo Baden-Baden!
Hallo Finanzminister
Liebe Demonstrantinnen und Demonstranten


Was will denn heute der BUND hier bei der Kundgebung gegen den G20-Gipfel?

Der Bund für Umwelt und Naturschutz
Das sind doch die mit den Nistkästen

Stimmt!
Wir sind die mit den Nistkästen und dem Amphibienschutz

Aber wir stehen auch für Umweltschutz, Demokratie, Frieden, Zukunftsfähigkeit & Nachhaltigkeit
und für den Kampf gegen Gentechnik, Klimawandel, Konzerngerichtsbarkeit & AKW

Und eines muss aus der Umweltbewegung heraus immer wieder gesagt werden:
Ohne ein Mehr an sozialer Gerechtigkeit gibt es keine Nachhaltigkeit

Umweltschutz, Naturschutz & Klimaschutz sind immer auch Menschenschutz

Wir brauchen echte Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit
Da nützen alle Solaranlagen & Artenschutzprogramme nicht´s,
wenn 1% der Weltbevölkerung über 99 % der Kohle verfügt

Wenn die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinandergeht
dann nimmt die gesellschaftliche Gewalt zu

Wenn die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinandergeht
dann ist die Demokratie gefährdet

dann werden Mauern gebaut
Mauern in den Köpfen
Mauern um Amerika
Mauern um Europa und Deutschland
Und auch die Reichen werden sich immer mehr einmauern müssen

Nachhaltig ist nur eine Welt ohne Mauern zwischen den Menschen

Unser Traum von einer nachhaltigen, menschengerechten Zukunft sollte auch unsere Aktionsformen bestimmen

Hallo ihr Finanzminister
Bei Euren Tagungen geht es immer auch um Mythen

Es gibt einen zentralen Mythos, nicht nur von Finanzministern:

Der Mythos heißt:
Unbegrenztes Wachstum im begrenzten System Erde ist dauerhaft möglich

Wir brauchen tatsächlich Wachstum und Entwicklung in den armen Ländern
Doch unser deutsches Wachstum funktioniert nur noch mit immer dümmeren und immer umweltzerstörenderen Produkten

Und unser Lebensstil, der „German way of life“, ist ein zutiefst zerstörerisches Exportmodell

Dauerhaftes, exponentielles Wachstum einer Wirtschaft ist nicht möglich und führt zwangsläufig zur Selbstzerstörung

Wenn ein begrenztes System wuchert, dann ist es nicht die Frage, ob es crasht, sondern wann es crasht

Hallo ihr Finanzminister
Hier noch eine eurer umweltzestörenden Mythen:

Ihr sagt die Griechen, Italiener und der Rest der Welt sollten so arbeiten und produzieren wie die Deutschen, und die ökonomischen Probleme Europas wären gelöst

Wir sind „Exportweltmeister“ und Ihr sagt alle anderen Staaten sollten einfach auch Exportweltmeister werden

Wohin sollen die Güter exportiert werden, wenn alle Länder Exportweltmeister wären?
Woher sollen die Rohstoffe und die Energie kommen, um all die Güter zu produzieren?
Wer soll den ganzen Scheiß kaufen?

Liebe Demonstrantinnen und Demonstranten:

Eine bessere Welt, ein gutes, nachhaltiges Leben für alle weltweit ist möglich

Der alte Spontispruch „Luxus für alle“ funktioniert leider nicht

Der alte Gandhi hatte recht:
„Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier“

Beim G20-Finanzministertreffen wird sicher wieder das Hohelied der „Westlichen Werte“ gesungen

Doch was sind die „Westlichen Werte?
Freedom and Democracy?

Der höchste westliche Wert ist die gut organisierte Gier

Die Gier der Oligarchen in Ost und West,
Die Gier der Großkonzerne, die im Gegensatz zu unserem Mittelstand bei uns fast keine und in armen Ländern gar keine Steuern zahlen

Die Gier der Rüstungskonzerne, die jetzt auch bei uns auf massive Aufrüstung setzen

70 Millionen Menschen haben so viel Vermögen wie der ganze Rest (sieben Milliarden Menschen) zusammen

Mit Steuergerechtigkeit und einem kleinen Teil dieses konzentrierten Reichtums könnten Kriege beendet und Fluchtursachen bekämpft werden

Entwicklungsländer verlieren durch Steuerflucht jedes Jahr mindestens 100 Milliarden US-Dollar

Afrika verliert durch Steuerflucht von reichen Einzelpersonen rund 14 Milliarden US-Dollar
Damit ließe sich in Afrika flächendeckend die Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder sicherstellen

62 Menschen verfügen über ebenso viel Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung – also 3,5 Milliarden Menschen

Mit Steuergerechtigkeit und einem kleinen Teil dieses Reichtums könnte der Klimawandel und das globale und regionale Artensterben gestoppt werden

Mit Gerechtigkeit könnte endlich der Hunger von fast einer Milliarde Menschen beendet werden

Was ist das für eine Welt, die vom Weltraumtourismus für Milliardäre träumt
und in der Menschen verhungern

Mehr globale Gerechtigkeit und vor allem Steuergerechtigkeit für die staatslenkenden Großkonzerne ist der Weg aus der globalen Krise

Die großen Konzerne sollen den gleichen Steuersatz bekommen wie der Bäckermeister um´s Eck

Je weiter die Schere zwischen Arm und Reich auseinander geht, je ärmer die Armen werden und je mehr die Mittelschicht schwindet, desto gewalttätiger werden Gesellschaften und soziale Konflikte und desto gefährdeter wird auch unsere Demokratie und Umwelt

Eine bessere, nachhaltigere Welt, ein gutes Leben für alle ist möglich

Der BUND und die Umweltbewegung sind ein Teil der Sozialen Bewegung

So und jetzt geh ich wieder zu den Nistkästen und zum Amphibienschutz , denn alles gehört zu allem

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer Freiburg







Oxfam Studie: Reichtum & Gier
"Die Schere zwischen Arm und Reich ist im Jahr 2016 so groß, dass das reichste Prozent der Weltbevölkerung (70 Millionen Menschen) über so viel Vermögen verfügt wie der ganze Rest (sieben Milliarden Menschen) zusammen. 62 Menschen verfügen über ebenso viel Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung – also 3,5 Milliarden Menschen. Ein Jahr zuvor lag das Verhältnis noch bei 80 zu 3,5 Milliarden. Seit 2010 ist das Vermögen der Superreichen um sagenhafte 44 Prozent oder etwa 540 Milliarden Dollar gestiegen. Das Vermögen der ärmeren Hälfte aber sank im gleichen Zeitraum um 41 Prozent oder rund eine Billion Dollar. (...)
Ein Grund für diese Entwicklung ist die unzureichende Besteuerung von großen Vermögen und Kapitalgewinnen sowie die Verschiebung von Gewinnen in Steueroasen. Investitionen von Unternehmen in Steuerparadiesen haben sich zwischen 2000 und 2014 vervierfacht. Neun von zehn der weltweit führenden Großunternehmen haben Präsenzen in mindestens einer Steueroase. Entwicklungsländern gehen auf diese Weise jedes Jahr mindestens 100 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen verloren. Die Verschiebung von Vermögen in Steueroasen durch reiche Einzelpersonen kostet alleine die afrikanischen Staaten jährlich rund 14 Milliarden US-Dollar. Damit ließe sich in Afrika flächendeckend die Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder sicherstellen, was pro Jahr rund vier Millionen Kindern das Leben retten würde.
"










































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Der Reichtum einiger weniger ist eine wichtige Fluchtursache und ein wenig mehr an sozialer Gerechtigkeit und Steuergerechtigkeit könnte Fluchtursachen in den Herkunftsländern bekämpfen.

Dies ist durchaus auch wichtiges Themen für die Umweltbewegung, denn ohne soziale Gerechtigkeit ist die angestrebte Nachhaltigkeit nicht zu erreichen. Ohne auf die "Qualität" der Armutsdebatte in Deutschland eingehen zu wollen, gibt es aus meiner Ansicht doch einige wichtige Umweltaspekte , die in der öffentlichen Diskussion fehlen. Rechte und teilweise auch linke Wachstumsmythen verstellen den Blick auf wichtige Teilaspekte des Problems. Eine falsche Analyse aber führt zu falschen Problemlösungsansätzen.

Mehr Wachstum soll das Armutsproblem langfristig lösen.
Mehr Wachstum ist aber dauerhaft nur dort möglich, wo arme Gesellschaften einen berechtigten Nachholbedarf haben. Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme. Als Problemlösungsansatz kann es dauerhaft und weltweit nicht dienen.


Mehr Arbeit soll das Armutsproblem lösen.
Doch der Arbeitsgesellschaft geht langfristig die bezahlte Arbeit aus. In Zeiten, in denen durch Rationalisierung, Effizienzsteigerung und Globalisierung die Arbeit immer weniger wird, sollen die "Noch"-Beschäftigten immer länger arbeiten, anstatt die weniger werdende Arbeit besser zu verteilen. Einer gestressten, überarbeiteten, gleichzeitig aber abnehmenden Zahl von Beschäftigten stehen immer mehr Arbeitslose, Dauerpraktikanten, Ein-Euro-Jobber und andere "Working Poor" gegenüber. Die sozialen Folgen einer solchen Politik, in der die Schere zwischen Arm und Reich und zwischen Arbeitslosen und Arbeit habenden immer größer wird, führen zu politischer, ökologischer und sozialer Destabilität.

Eine langfristig drohende, weltweite Energiekrise unübersehbaren Außmasses wird das weltweite Armutsproblem noch massiv verstärken. Und das von den Werbeabteilungen der Atomkonzerne als "Heilsbringer" angepriesene Uran wird noch schneller ausgebeutet sein als Öl und Gas. Nur ein schneller Umstieg auf regenerative Energien kann dieses Problem lösen. Ansonsten werden wir in Zukunft "Benzinaufstände" erleben, so wie es in der Vergangenheit Brotaufstände gegeben hat.

Der globale Hunger tötet trotz kleiner Fortschritte weit mehr Menschen
als jeder gegenwärtig geführte Krieg oder Terroranschlag.

Wenn die Umweltbewegung echte Nachhaltigkeit will,
dann muss sie sich in Zukunft auch verstärkt der sozialen Frage stellen. Die Güter der Welt könnten bei nachhaltiger Nutzung und gerechterer Verteilung allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen. Neoliberalismus und Nachhaltigkeit sind wie Feuer und Wasser.

Ein persönlicher Debattenbeitrag von
Axel Mayer / BUND Regionalgeschäftsführer / Kreisrat im Kreistag Emmendingen



Recht und Unrecht
Ungerechte Urteile und Entscheidungen







Mensch, Menschenrechte, Folter, soziale Gerechtigkeit, Ökologie und Umwelt











Eine kleine Auswahl: Reden von Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer, Kreisrat, Vizepräsident TRAS


Die alemannischen Redebeiträge und die Vorträge finden Sie unten auf dieser Seite









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Dieser Artikel wurde 7007 mal gelesen und am 10.4.2017 zuletzt geändert.