Diese Seite ausdrucken

Umwelt - Neue Armut - Soziale Gerechtigkeit -Fluchtursachen & Gier: Ohne soziale Gerechtigkeit ist Nachhaltigkeit nicht zu erreichen

06.01.2016

Umwelt Neue Armut Soziale Gerechtigkeit: Ohne soziale Gerechtigkeit ist Nachhaltigkeit nicht zu erreichen
Ein persönlicher Debattenbeitrag von BUND-Geschäftsführer Axel Mayer

Warum wird in diesem Land in Zeiten der Flüchtlingsdebatte
so wenig über die Frage der Armut und der sozialen Gerechtigkeit diskutiert?



Oxfam Studie: Reichtum & Gier
"Die Schere zwischen Arm und Reich ist im Jahr 2016 so groß, dass das reichste Prozent der Weltbevölkerung (70 Millionen Menschen) über so viel Vermögen verfügt wie der ganze Rest (sieben Milliarden Menschen) zusammen. 62 Menschen verfügen über ebenso viel Vermögen wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung – also 3,5 Milliarden Menschen. Ein Jahr zuvor lag das Verhältnis noch bei 80 zu 3,5 Milliarden. Seit 2010 ist das Vermögen der Superreichen um sagenhafte 44 Prozent oder etwa 540 Milliarden Dollar gestiegen. Das Vermögen der ärmeren Hälfte aber sank im gleichen Zeitraum um 41 Prozent oder rund eine Billion Dollar. (...)
Ein Grund für diese Entwicklung ist die unzureichende Besteuerung von großen Vermögen und Kapitalgewinnen sowie die Verschiebung von Gewinnen in Steueroasen. Investitionen von Unternehmen in Steuerparadiesen haben sich zwischen 2000 und 2014 vervierfacht. Neun von zehn der weltweit führenden Großunternehmen haben Präsenzen in mindestens einer Steueroase. Entwicklungsländern gehen auf diese Weise jedes Jahr mindestens 100 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen verloren. Die Verschiebung von Vermögen in Steueroasen durch reiche Einzelpersonen kostet alleine die afrikanischen Staaten jährlich rund 14 Milliarden US-Dollar. Damit ließe sich in Afrika flächendeckend die Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder sicherstellen, was pro Jahr rund vier Millionen Kindern das Leben retten würde.
"


Der Reichtum einiger weniger ist eine wichtige Fluchtursache und ein wenig mehr an sozialer Gerechtigkeit und Steuergerechtigkeit könnte Fluchtursachen in den Herkunftsländern bekämpfen.

Dies ist durchaus auch wichtiges Themen für die Umweltbewegung, denn ohne soziale Gerechtigkeit ist die angestrebte Nachhaltigkeit nicht zu erreichen. Ohne auf die "Qualität" der Armutsdebatte in Deutschland eingehen zu wollen, gibt es aus meiner Ansicht doch einige wichtige Umweltaspekte , die in der öffentlichen Diskussion fehlen. Rechte und teilweise auch linke Wachstumsmythen verstellen den Blick auf wichtige Teilaspekte des Problems. Eine falsche Analyse aber führt zu falschen Problemlösungsansätzen.

Mehr Wachstum soll das Armutsproblem langfristig lösen.
Mehr Wachstum ist aber dauerhaft nur dort möglich, wo arme Gesellschaften einen berechtigten Nachholbedarf haben. Unbegrenztes Wachstum zerstört begrenzte Systeme. Als Problemlösungsansatz kann es dauerhaft und weltweit nicht dienen.


Mehr Arbeit soll das Armutsproblem lösen.
Doch der Arbeitsgesellschaft geht langfristig die bezahlte Arbeit aus. In Zeiten, in denen durch Rationalisierung, Effizienzsteigerung und Globalisierung die Arbeit immer weniger wird, sollen die "Noch"-Beschäftigten immer länger arbeiten, anstatt die weniger werdende Arbeit besser zu verteilen. Einer gestressten, überarbeiteten, gleichzeitig aber abnehmenden Zahl von Beschäftigten stehen immer mehr Arbeitslose, Dauerpraktikanten, Ein-Euro-Jobber und andere "Working Poor" gegenüber. Die sozialen Folgen einer solchen Politik, in der die Schere zwischen Arm und Reich und zwischen Arbeitslosen und Arbeit habenden immer größer wird, führen zu politischer, ökologischer und sozialer Destabilität.

Eine langfristig drohende, weltweite Energiekrise unübersehbaren Außmasses wird das weltweite Armutsproblem noch massiv verstärken. Und das von den Werbeabteilungen der Atomkonzerne als "Heilsbringer" angepriesene Uran wird noch schneller ausgebeutet sein als Öl und Gas. Nur ein schneller Umstieg auf regenerative Energien kann dieses Problem lösen. Ansonsten werden wir in Zukunft "Benzinaufstände" erleben, so wie es in der Vergangenheit Brotaufstände gegeben hat.

Der globale Hunger tötet trotz kleiner Fortschritte weit mehr Menschen
als jeder gegenwärtig geführte Krieg oder Terroranschlag.

Wenn die Umweltbewegung echte Nachhaltigkeit will,
dann muss sie sich in Zukunft auch verstärkt der sozialen Frage stellen. Die Güter der Welt könnten bei nachhaltiger Nutzung und gerechterer Verteilung allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen. Neoliberalismus und Nachhaltigkeit sind wie Feuer und Wasser.

Ein persönlicher Debattenbeitrag von
Axel Mayer / BUND Regionalgeschäftsführer / Kreisrat im Kreistag Emmendingen



Recht und Unrecht
Ungerechte Urteile und Entscheidungen




Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
<a href="http://www.bund-rvso.de/umwelt-neue-armut-soziale-gerechtigkeit.html">Umwelt - Neue Armut - Soziale Gerechtigkeit -Fluchtursachen & Gier: Ohne soziale Gerechtigkeit ist Nachhaltigkeit nicht zu erreichen</a>

Weitersagen
Delicious Twitter Facebook StudiVZ

Dieser Artikel wurde 5767 mal gelesen und am 31.1.2016 zuletzt geändert.