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Undichte Flachdächer, Bausünden, Nachhaltigkeit und herabfallende Deckenplatten

28.09.2006
An die Medien in Freiburg

In Freiburg wird in diesen Tagen intensiv das Problem der herabfallenden Deckenplatten und der undichten Dächer an öffentlichen Gebäuden diskutiert.

Das hinter diesem aktuellen Thema stehende Problem hat viel mit Fragen der Nachhaltigkeit und damit der Ökologie zu tun.

Vor über vier Jahrzehnten wurde von einem bis dahin jahrhundertelang bewährten Prinzip des Bauens, von den Steildächern abgewichen und Flachdächer gebaut. Die damals noch absolut unausgereifte Flachdachtechnologie wurden ungeprüft als Fortschritt gepriesen und von fortschrittsgläubigen Politikern leider flächendeckend auf vielen öffentlichen Gebäuden realisiert. Zwischenzeitlich wurden die meisten der damaligen Flachdächer mehrfach teuer repariert, über manchen Flachdächern wurde nachträglich wieder ein Steildach errichtet. Städte und ein Staat, die große Schuldenberge haben, müssen Gebäude die erst vor wenigen Jahrzehnten gebaut wurden aufwändig sanieren oder häufig sogar abreißen. In einer Zeit, in der Müllvermeidung im kleinen groß geschrieben wird, werden relativ junge Gebäude schlicht zu Schuttbergen und Müll. Wenn nachhaltig wirtschaften heißt: "Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen, so dass die Bedürfnisse heute lebender Menschen befriedigt werden, ohne die Bedürfnisbefriedigung künftiger Generationen zu gefährden", dann war die vor Jahrzehnten absolut unausgereifte Flachdachtechnologie schlicht nicht nachhaltig.

Der damalige Fortschrittglauben, das ungeprüfte Folgen einer Mode, eine fehlende Technik - Folgenabschätzung hat die SteuerzahlerInnen in Freiburg und anderswo zwischenzeitlich viele Milliarden Euro gekostet. Heute sind moderne Flachdächer technisch ausgereifter, aber sie müssen wie jedes Dach ständig gewartet werden und die billigste Baufirma ist für Stadt und Staat nicht immer die kostengünstigste.

Es fehlt bei der öffentlichen Debatte über herabfallende Deckenplatten, undichte Flachdächer und die Schulden der Städte und des Staates zumeist die kritische Analyse vergangener Fehlentscheidungen, vermutlich auch weil die Verantwortlichen von damals heute noch leben...

Eine mangelnde Analyse der damaligen Fehlentwicklung führt heute dazu, dass in vielen anderen Bereichen wieder jede technische Neuerung ungeprüft als Fortschritt ausgegeben wird ohne die langfristigen Folgen für die nachkommenden Generationen zu prüfen.(neue Foliendächer, Atomenergie, grüne Gentechnologie...)

Es gibt durchaus auch viele, erfreuliche Bereiche in denen technischer Fortschritt dem Menschen dient und zu einer Lösung vieler Probleme beiträgt. Doch das teure Beispiel der alten Freiburger Flachdächer zeigt, dass der nötige technische Fortschritt immer wieder kritisch hinterfragt und unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit überprüft werden muss.

Fortschritt sollte heute endlich mehr sein als die fortschreitende, beschleunigte Umwandlung von Energie, Rohstoffen und menschlicher Arbeitskraft in Müll.


Andreas Hoffmann

BUND OG Freiburg

Axel Mayer

BUND Regionalverband


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Dieser Artikel wurde 3471 mal gelesen und am 23.1.2007 zuletzt geändert.