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Vogelsterben Deutschland 2017! Ursachen: Insektensterben, Agrargifte, Neonicotinoide, Naturzerstörung, Katzen & Verkehr oder Windräder & Rabenvögel?

04.12.2017

Vogelsterben Deutschland 2017!
Ursachen: Insektensterben, Agrargifte, Neonicotinoide, Naturzerstörung, Vogelschlag, Katzen & Verkehr oder Windräder & Rabenvögel?


In den letzten Jahren rufen bei uns im Freiburger BUND-Büro immer wieder besorgte Menschen an, die von deutlich geringeren Zahlen beobachteter Vögel und einem Vogelsterben berichten. Einige aktuelle Studien belegen diese Beobachtungen und nennen vielfältige Gründe für den Rückgang einiger Vogelpopulationen.

Wie es mit dem Vogelsterben in Deutschland aussieht,
zeigt eine Auswertung von Daten aus der Zeit zwischen 1998 und 2009, die im Oktober 2017 veröffentlicht wurde. Das Ergebnis auch hier: Es gibt einen klaren Rückgang. In nur zwölf Jahren hat Deutschland 12,7 Millionen Vogelbrutpaare verloren. Ihre Zahl ging von 97,5 auf 84,8 Paare zurück. Das entspricht 15 Prozent des ursprünglichen Bestandes von 1998. Wie die Forscher feststellten, sind von diesem Vogelschwund Die Abnahme der Bestände trifft dabei nicht alle Vogelarten gleichermaßen. Mit Abstand am stärksten sind die Verluste beim Star. Der frisch gekürte Vogel des Jahres 2018 stellt 20 Prozent der seit 1998 verlorenen Brutpaare. Mit fast 2,6 Millionen Brutpaaren weniger ist diese einst bei uns extrem häufige Art besonders betroffen. Seine bevorzugten Lebensräume wie Weiden, Wiesen und Feldränder werden immer seltener und artenärmer. Auch die für das Brüten nötigen Baumhöhlen schwinden. Auf den nächsten Plätzen folgen die ebenfalls einst häufigen Arten Haussperling, Wintergoldhähnchen und Buchfink. Aber auch Feldlerche, Feldsperling und Goldammer sind unter den zahlenmäßig größten Verlierern.

Diese Aussagen machen uns Sorgen,
dennoch gilt, dass es temporäre Rückgänge bei einzelnen Arten immer wieder gab. Auch Witterungsfragen können bei Zählungen eine Rolle spielen. Wichtig sind die langfristigen Trends und die sind mehr als bedrohlich.

Es gibt eine Vielzahl von Gründen warum die Zahl der Vögel global, bundesweit und regional seit Jahrzehnten abnimmt.

Im folgenden Beitrag möchten wir einige mögliche Ursachen für den Rückgang von Vogelpopulationen nennen.

  • Die Zahl der Insekten hat in manchen Gebieten Deutschlands
    schon um bis zu 80% abgenommen und das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Vogelwelt. Vögel wie Schwalben oder Mauersegler leben von Insekten. Für eine Vielzahl von Kleinvögeln in der Aufzuchtphase sind Insekten besonders wichtig. Das massive und erschreckende globale und bundesweite Insektensterben nimmt (nicht nur) Schwalben, Mauerseglern und Fledermäusen die Nahrungsgrundlage und führt zu einem massiven Rückgang der Populationen. Wenn ein wichtiger Teil der Nahrungsgrundlage wegbricht, dann hat das extreme Auswirkungen auf alle Arten am Ende der Nahrungskette. Die Lobbyisten der Agrargift-Industrie haben ein massives (und gut organisiertes) Interesse daran, dass dies nicht zum Thema wird.

  • Der Verlust an Natur und Lebensräumen
    und die im Rahmen von Globalisierung und Freihandel immer intensiver wirtschaftende Landwirtschaft gefährdet die Vogelwelt besonders stark.

  • Vogelschlag an Glas, an verglasten und verspiegelten Gebäuden
    Mindestens 18 Millionen Vögel sterben jährlich durch Vogelschlag an Glas. Es ist mehr als befremdlich, dass die 100.000 bis 200.000 Opfer der Windenergie so intensiv diskutiert werden, die Hauptursachen des Vogelsterbens aber nicht.
    "Glas tötet unspezifisch also potentiell alle Vogelarten, denn es wird in fast jeder Flughöhe verbaut. Es tötet Vögel unabhängig von Art, Alter, Geschlecht und Uhrzeit. Das belegen Studien aus den USA. Man kann natürlich sagen, dass Vögel, die oft vorkommen ("Allerweltsarten") natürlich auch oft betroffen sind, Vögel, die selten vorkommen nicht so oft, was aber nur an der vorhandenen Anzahl der Vögel liegt. Viele Vogelstationen haben regelmäßig Glas-Vogelschlag-Opfer aus verschiedensten Arten: Greifvögel, Spechte (sogar sehr oft), Singvögel, Waldschnepfen, Zugvögel, standorttreue Vögel... einfach alles ... bis hin zu einem Storch, bei dem die Kollision sogar live beobachtet wurde." sagt Dr. Judith Förster, Projektleiterin des Projektes "Vermeidung von Vogelschlag an Glas" des BUND NRW.

  • Vogelschlag an Eisenbahnzügen
    "Sieben verschiedenartige Untersuchungen (an deutschen und anderen europäischen Bahnstrecken), die 70 Tage bis mehrere Jahre dauerten und zwischen 1982 und 2002 publiziert wurden, zeigten, dass es pro Streckenkilometer(!) und Jahr zu 0,29 bis 61 Vogelschlägen kommt. Auf Strecken, die nur mit bis zu 160 km/h Geschwindigkeit befahren wurden war dieser Wert maximal 20, an Strecken mit 200 km/h und mehr Maximaltempo zumindest 38,1. Die Aussagen zu Vogelschlag an Zügen sind auch auf Fledermäuse zu erweitern. Als Ursache hoher Vogelschlagfrequenz an Zügen wird gesehen, dass Züge mit Stromabnehmer 8 m über Schienenoberkante hoch sind und damit doppelt so hoch wie Kfz auf Autobahnen." schreibt Wikipedia und bezieht sich auf das Eisenbahnbundesamt. Dieses sagt: "Auf den Streckenkilometer bezogen ist die Mortalitätsrate im Schienenverkehr offenbar höher als im Straßenverkehr. Im Vergleich zur Gesamtindividuenzahl sind Eulen und Greifvögel überdurchschnittlich betroffen. Besonders gefährdete Arten sind Bussard, Schleiereule, Steinkauz und Seeadler."

    Mehr Informationen zu diesem Thema hier.

  • Vogelschlag im Verkehr an Straßen und Autobahnen
    Wer mit dem Auto unterwegs sein muss, der sieht "links und rechts der Autobahn" erschreckend viele tote Vögel, darunter viele große Greifvögel. Zu diesem Thema sind wir kaum auf konkrete, belastbare Zahlen gestoßen. Eine Literaturstudie aus dem Jahr 2004 liefert nähere Informationen zu der Wirkung von Straßen auf die Mortalität von Vögeln:

    "Es gibt eine Vielzahl an Wirkungen von Straßen, welche die Mortalität von Vögeln beeinflussen. Da die Opferraten von Vögeln, die durch den Straßenverkehr umkommen, mit hoher Wahrscheinlichkeit im mittleren zweistelligen Millionenbereich anzusiedeln sind, ist der Verkehr als Massenvernichtungsmittel für Vögel anzusehen. […]

    Direkte Gefährdung durch den Verkehr kommt durch die Lage und Linienführung zustande. Da Vögel die Straße auf der Höhe ihres Lebensraumes überqueren, kann die Lage auf einem Damm oder in einem Einschnitt die Gefährdung beeinflussen. Reichen Straßenrandbepflanzungen bis an den Fahrbahnrand, ist die Übersichtlichkeit nicht gegeben und Vögel haben keine Chance auf den Verkehr zu reagieren. Strukturreichtum fördert den Aufenthalt von Vögeln nahe der Straße, was negativ zu beurteilen ist. Außerdem ist die Straße an sich attraktiv durch gutes Nahrungsangebot an Körnern, Insekten und Kadavern, was vielen Vögeln zum Verhängnis wird.
    Die häufigsten Verkehrsopfer sind die euryöken, kulturfolgenden Arten. Hier sind Amsel, Rotkehlchen, Buchfink und Goldammer zu nennen. In Abhängigkeit von den jeweiligen Biotopen am Straßenrand, können aber auch seltene Arten betroffen sein.
    Die Häufigkeitsverteilung der Todfunde hängt stark mit der jahreszeitlichen Aktivität der Art zusammen. Es gibt drei Spitzen im Jahresverlauf. Diese fallen auf die Balz im Frühjahr, die Brut- und Fütterungszeit im Sommer und den Herbstzug.
    Die Verkehrsdichte wie auch die Geschwindigkeit haben beträchtlichen Einfluss auf den Straßentod von Vögeln. Einzelne schnelle Fahrzeuge wirken sich gravierender aus als hohe Verkehrsdichte. Es gelingt nur wenigen Arten, wie z.B. Rabenvögeln und Bachstelzen, auf den Verkehr zu reagieren und rechtzeitig zu flüchten.

    Indirekte Gefährdungsursachen kommen durch den Flächenverbrauch, Zerschneidung, Barrierewirkung und die Immission von Schadstoffen zustande. Sie resultieren in einer Verminderung der Habitatqualität. Die Gesamtproduktion pro Flächeneinheit wird durch Störungen eingeschränkt, so dass der Straßenrand als Verschleißzone zu betrachten ist. Die Besiedelung hängt vom Überschuss in Lieferhabitaten ab.“

    Quelle: Sandra Henze "Mordende Straßen - Ist Straßenverkehr ein Massenvernichtungsmittel für Vögel? Eine Literaturstudie zur Wirkung von Straßen auf die Mortalität von Vögeln.", Jahr: 2004


    Mehr Informationen zu diesem Thema hier.

  • Stromleitungen als Verlustursachen
    Die Vogelverluste durch Stromschlag und Leitungsanflug an Stromleitungen sind mit abnehmender Tendenz leider immer noch groß. Betroffen sind u.a. Greifvögel, Eulen, Kraniche, Weiß- und Schwarzstörche. In Europa wurden bislang Opfer von 179 Vogelarten registriert, neben häufigen Arten sind auch seltene Durchzügler, Wintergäste und stark bedrohte Brutvögel betroffen.
    „Heijnis (1980) registrierte an einem 2,85 km langen Kontrollabschnitt in fünf Jahren insgesamt 2968 verletzt oder tot gefundene Vögel (davon 522 Blässhühner und je 245 Stock- und Krickenten), Grosse et al. (1980) zählten innerhalb von neun Jahren über 4000 Freileitungsopfer (davon ca. 900 Lachmöwen, 884 Stockenten, 678 Blässhühner, 420 Bekassinen und 202 Krickenten). Hoerschelmann et al. (1988) suchten in 4 aufeinanderfolgenden Zugperioden (Herbst 1982-Frühjahr 1984) eine 4,5 km lange Strecke ab und sammelten 867 Freileitungsopfer auf (darunter 112 Kiebitze, 46 Stockenten, 39 Blässhühner, 36 Lachmöwen und 33 Bekassinen).“
    Quelle:Naturschutz in Recht und Praxis - online

    Bei den Freileitungen hat der Druck der Umweltbewegung in den letzten Jahrzehnten zu Verbesserungen für die Vogelwelt geführt und die Forderung des BUND nach einer Trassenbündelung für Hochspannungsleitungen nützt Vögeln und dem Landschaftsschutz.

    Eine neue NABU-Studie aus dem Jahr 2017 sagt, „dass es in Deutschland jährlich zu Kollisionsopfern an Vögeln in der Größenordnung zwischen 1,5 bis 2,8 Millionen Individuen kommt“ und dass durch geeignete Maßnahmen bis zu 90 Prozent der Verluste vermieden werden könnten. „Im Hoch- und Höchstspannungsnetz sind Kollisionen für Vögel die fast ausschließliche Todesursache an oberirdischen Stromleitungen, während im Mittelspannungsbereich der Stromschlag auf ungesicherten Strommasten die größte Gefahr darstellt.“ Quelle: Sonnenseite: "1,5 Millionen Vögel sterben pro Jahr an Stromleitungen"


  • Der tropische Usutu-Virus und die Vogelgrippe
    sind bei einigen Vogelarten ein Grund für den Rückgang. Die ernstzunehmende Debatte, in wie weit die Massentierhaltung für manche Krankheiten verantwortlich ist, steht noch am Anfang.

  • Vogelfang und Vogeljagd
    "Jedes Jahr fallen in den Staaten rund um das Mittelmeer mindestens 25 Millionen Zugvögel der meist illegalen Jagd zum Opfer." schreibt www.spektrum.de

    Einem Artikel der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2010 zufolge werden in Europa jedes Jahr bis zu 120 Millionen legal bei der Jagd und illegal 100 Millionen Wildvögel getötet. Bei der Jagd sind allerdings Fortschritte zu erkennen. Der Abschuss von Greifvögeln ist auch durch den starken Druck der Umwelt- und Tierschutzbewegung stark zurückgegangen. Und das Verschwinden der Nahrungsinsekten hat Rebhuhn und Fasan wesentlich stärker reduziert als die Jagd.

    Mehr Informationen zu diesem Thema: hier.


  • Hauskatzen, verwilderte Hauskatzen und Vögel
    Katzen und Vögel sind ein höchst emotional besetztes Thema, wie Millionen Katzenvideos auf Youtube zeigen. Über 8 Millionen Katzen in Deutschland töten viele Millionen Vögel. Amerikanische Studien kamen zu dem Ergebnis, dass jedes Jahr in den USA zwischen 1,4 und 3,7 Milliarden Vögel und zwischen 6,9 und 20,7 Milliarden kleine Säugetiere von Katzen getötet werden. Diese Zahlen lassen sich nicht so einfach auf Deutschland übertragen und viele Fachleute gehen bei uns von geringeren Zahlen aus. Doch jährlich 5 bis weit über 20 Vögel töten viele "Hauskatzen mit Ausgang" und diese Zahlen sind sehr niedrig angesetzt. Das größte Problem für Natur und Vögel ist die zunehmende Zahl von verwilderten Hauskatzen. Allein in Deutschland gibt es schätzungsweise 2 Millionen verwilderte Katzen. Wenn es gelänge, die Bestände verwilderter Hauskatzen zu reduzieren, könnte das Problem auf ein erträgliches Maß verringert werden. Eine Hauskatze fängt zwar keinen Rotmilan, die extrem große Zahl an getöteten Kleinvögeln ist dennoch ein massives Problem. Mit den Ausgleichszahlungen aus dem Windradbau sollten auch Kastrationskampagnen für verwilderte Katzen finanziert werden.

  • Auch Eichhörnchen, Marder und Rabenvögel
    gehen die Gelege von Singvögeln an. Wenn zur Brutzeit Eier und Jungvögel erreichbar sind, nehmen sie auch diese Nahrungsquelle wahr. Doch so hart es klingt: Das ist Natur. Es ist erstaunlich, dass im Zusammenhang mit dem Vogelschutz immer nur das Problem der Rabenvögel heftig diskutiert wird und Hauskatzen, verwilderte Katzen, Eichhörnchen und Marder in der öffentlichen Debatte fast keine Rolle spielen. Das hat möglicherweise auch mit alten Ängsten vor den „schwarzen Vögeln“ zu tun.

  • Die größten Artenverluste wird der Klimawandel bringen.
    "Die globale Erwärmung bedroht jede sechste Art" schreibt die Zeit.
    "Fast 700 Arten von Vögeln und Säugetieren zeigten bereits negative Reaktionen aufgrund höherer Temperaturen und anderer dadurch bedingten Änderungen in den Ökosystemen sowie im langfristigen Wettergeschehen" steht in der Süddeutschen Zeitung vom 14.2.2017. Alternative Energien sind eine wirksame Waffe gegen den Klimawandel.


Über die 100.000 bis 200.000 von Windrädern getöteten Vögel wird interessengeleitet viel diskutiert, denn jede privat gebaute Energieerzeugungsanlage bedroht das wankende Monopol der alten Energieversorger. Die wesentlich höheren Zahlen, ausgelöst durch Insektensterben, Agrargifte, Lebensraumverlust, Glasscheiben, Freileitungen, Straßen, Katzen, Bahnstrecken und durch Vogelfang spielen in der veröffentlichten Meinung fast keine Rolle.
Das Thema Vogel- und Artengefährdung sollte nicht nur in der Nische der Windräder geführt werden, die nur für einen kleinen Teil des Vogelsterbens verantwortlich ist. Wer mit der Lösung eines Problems nur in der Nische ansetzt, kann keine echten Fortschritte erzielen. Dennoch ist bei bedrohten Arten wie dem Schreiadler, dem Rotmilan oder seltenen Fledermäusen jedes getötete Tier eines zu viel und darum wird der BUND aus Gründen des Artenschutzes auch in Zukunft nicht jeder Windradplanung zustimmen. Die erfreulichen Fortschritte und Erkenntnisse, die bei der Gefahrenminimierung für Vögel bei Windrädern erreicht wurden, sollten aber endlich auch auf den wesentlich bedrohlicheren Vogelschlag an Glas übertragen werden.


Fünf Mal gab es in den vergangenen 540 Millionen Jahren gewaltige Artensterben, zeigen Fossilienfunde. Forscher sehen eine aktuelle, menschengemachte, sechste Welle in vollem Gange. Allein seit dem Jahr 1500 seien mehr als 320 terrestrische Wirbeltiere ausgestorben, die Bestände der verbliebenen seien im Schnitt um ein Viertel geschrumpft, schreiben Wissenschaftler um Rodolfo Dirzo von der Stanford University in der Zeitschrift "Science". Nach einem Bericht der Vereinten Nationen zur Artenvielfalt sterben bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten täglich aus.
Der Mensch im Anthropozän hat auf die Artenvielfalt also langfristig eine "ähnlich verheerende" Wirkung wie der große Meteor-Einschlag vor 65 Millionen Jahren.


Ein weiterer Hauptgrund des Vogel- und Insektensterbens wird von Naturschützern gerne übersehen.
Unsere Landwirtschaft konkurriert auf einem globalisierten Agrarmarkt im Rahmen des Freihandels mit Ländern wie Kanada. Eine immer noch erfreulich kleinräumige Landwirtschaft z.B. in Südbaden, verkauft auf dem gleichen Markt wie die giftdominierte großindustrielle Landwirtschaft in den USA. Wenn nur noch der Preis und die Ideologie des „freien Marktes“ zählt, dann haben Insekten, Vögel, Hecken aber auch die Mehrzahl der Landwirte selber keine Chancen. Die Naturschutzbewegung ist nicht der Feind der Landwirtschaft, sondern der potentiell Verbündete einer naturnäheren, giftärmeren, nachhaltigen und somit auch moderneren und zukunftsorientierten Landwirtschaft.

Notwendige Ursachenforschung und ihre Probleme.
Während das Vogelsterben, als Teil des großen Artensterbens, nicht mehr bestritten wird, gibt es bei der Ursachenforschung noch einen großen Forschungsbedarf. Wir sehen dies, sind aber gebrannte Kinder. Bei Themen wie Klimawandel, Holzschutzmittelgifte, Contergan und Asbest waren die Ursachen teilweise jahrzehntelang bekannt und eine industriegelenkte Ursachenforschung, verbunden mit Verharmlosungs-Kampagnen hat Maßnahmen zur Schadensbegrenzung jahrelang verzögert und verhindert. Dies hat bei Holzschutzmittelgiften, Contergan und Asbest zu Krankheit und Tod vieler Menschen geführt. Der organisierte Kampf der Klimawandelleugner wird weltweit noch größere Opfer fordern.

Die Forderung nach einer industrieunabhängigen Erforschung der Ursachen des Vogelsterbens, erscheint angesichts der Macht von Bayer, Monsanto und Syngenta und Co. beinahe unrealistisch, muss aber angegangen werden und darf nicht zu einer Verzögerung bei der Bekämpfung des Vogelsterbens führen.

Vogelsterben, Insektensterben, Artensterben...
Unsere globale und bundesweite Raubbauwirtschaft und der unerfüllbare und zerstörerische Traum vom unbegrenzten Wachstum führen zu immer massiveren Schäden, nicht nur in der Vogelwelt. Hier muss der BUND und die Umweltbewegung ansetzen.

In Sachen Vogelsterben kann die Umweltbewegung durchaus auch auf Erfolge zurückblicken.
In der Mitte des letzten Jahrhundert wurde festgestellt, dass DDT dazu führte, dass Greifvögel Eier mit dünneren Schalen legten, was zu erheblichen Bestandseinbrüchen führte. DDT geriet auch unter Verdacht, beim Menschen Krebs auslösen zu können. Auch wegen des Drucks der Umweltbewegung wurde die Verwendung von DDT von den meisten westlichen Industrieländern in den 1970er-Jahren verboten. Artenschutz ist immer auch Menschenschutz.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer




  • Mehr Infos zum aktuellen Thema Insektensterben: Hier
  • Wo liegen die tatsächlichen Gefahren für unsere Vogelwelt. Ein Zusammenfassung: Hier


Nachtrag


Ich misstraue allen "genauen" Zahlenangaben zu den Zahlen der getöteten Vögel und auch bei den Vögeln dürfen "Äpfel nicht mit Birnen" verglichen werden. Die Zahlenangaben können aber sehr deutlich Schwerpunkte der Gefährdung aufzeigen. Weiter führende unabhängige Studien sind unbedingt nötig.



Nachtrag (Mai 2017)


Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Steffi Lemke, Harald Ebner, Annalena Baerbock, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit dem Titel "Stummer Frühling – Verlust von Vogelarten" vom 02. Mai 2017:

„ […] Über den 12-Jahres-Zeitraum zeigte ein Drittel aller Brutvogelarten (84 Arten) signifikante Bestandsabnahmen, über den 25-Jahres-Zeitraum war es lediglich ein Viertel der Arten (65 Arten). Dies deutet auf einen in den letzten 12 Jahren insgesamt zunehmenden Druck auf die Brutvogelbestände hin. Arten des Offenlandes und des Siedlungsbereiches zeigten die stärksten Rückgänge. […]

Auf einen Verlust von rund 300 Millionen Brutpaaren werden die Rückgänge in der Agrarlandschaft der Europäischen Union zwischen 1980 und 2010 veranschlagt. […]

Arten der Agrarlandschaft mussten die stärksten Bestandseinbußen hinnehmen. Bei rund der Hälfte dieser Arten nahm der Bestand zwischen Mitte der 1980er Jahre und 2009 ab. In den letzten 12 Jahren hat sich die Situation mit einem geringeren Anteil moderater und starker Abnahmen nur punktuell verbessert (z. B. Großtrappe, Raubwürger). Verschlechtert hat sich gleichzeitig die Situation bei Feldlerche und Goldammer. […]

Besonders prekär ist die Situation der typischen Grünlandbewohner. Bei diesen nehmen nach Wahl et al. (2015) fünf von sieben Arten ab. Bei den Arten, die mehrere Hauptlebensraumtypen nutzen, gibt es insbesondere bei den Bewohnern halboffener Landschaften Verschlechterungen vom 25- zum 12-Jahrestrend (z. B. Stieglitz, Star, Gelbspötter). […]

Gemäß den Bestandsangaben, aus denen der Teilindikator Agrarland berechnet wird (BfN 2017), zeigen folgende drei Arten dieses Teilindikators die größten negativen Trends seit dem Jahr 1990 bis zum Jahr 2013: Kiebitz: Bestandsabnahme um 80 Prozent, Braunkehlchen: Bestandsabnahme um 63 Prozent, Uferschnepfe: Bestandsabnahme um 61 Prozent. […]

Gemäß den Bestandsangaben, aus denen der Teilindikator Agrarland berechnet wird, zeigte die Feldlerche im Zeitraum von 1990 bis 2013 einen Bestandsrückgang um 35 Prozent. […]

Gemäß Angaben des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten sind die Bestände des Rebhuhns in Deutschland von 1990 bis 2015 um 84 Prozent zurückgegangen. […]

Besonders heben die Autoren folgende Faktoren für die Rückgänge hervor: Lebensraumveränderungen, Verringerung des Nahrungsangebotes (insbesondere Rückgang der Insektenbiomasse) und direkte Verfolgung (Prädation). […]"

Quelle: hier (als PDF-Datei).



Nachtrag


Wie es mit dem Vogelsterben in Deutschland aussieht, zeigt eine Auswertung von Daten aus der Zeit zwischen 1998 und 2009, die im Oktober 2017 veröffentlicht wurde. Das Ergebnis auch hier: Es gibt einen klaren Rückgang. In nur zwölf Jahren hat Deutschland 12,7 Millionen Vogelbrutpaare verloren. Ihre Zahl ging von 97,5 auf 84,8 Paare zurück. Das entspricht 15 Prozent des ursprünglichen Bestandes von 1998. Wie die Forscher feststellten, sind von diesem Vogelschwund Die Abnahme der Bestände trifft dabei nicht alle Vogelarten gleichermaßen. Mit Abstand am stärksten sind die Verluste beim Star. Der frisch gekürte Vogel des Jahres 2018 stellt 20 Prozent der seit 1998 verlorenen Brutpaare. Mit fast 2,6 Millionen Brutpaaren weniger ist diese einst bei uns extrem häufige Art besonders betroffen. Seine bevorzugten Lebensräume wie Weiden, Wiesen und Feldränder werden immer seltener und artenärmer. Auch die für das Brüten nötigen Baumhöhlen schwinden. Auf den nächsten Plätzen folgen die ebenfalls einst häufigen Arten Haussperling, Wintergoldhähnchen und Buchfink. Aber auch Feldlerche, Feldsperling und Goldammer sind unter den zahlenmäßig größten Verlierern.

Industriegelenkte Klimawandelleugner und die Agrochemie-Lobby haben es geschafft, dass die Debatte um das Vogelsterben bisher gezielt nur in der kleinen Nische der Windenergie geführt wurde. Von den Hauptursachen des Vogelsterbens, dem Insektensterben, ausgelöst durch die industrielle Landwirtschaft, durch Neonicotinoide und anderen Agrargiften wurde so gezielt abgelenkt.




Nachtrag


Einen guten, aktuellen, zusammenfassenden SWR-Beitrag zu den Ursachen des Vogelsterbens finden Sie hier. Darin spricht unter anderem Dr. Judith Förster vom BUND NRW über das Thema "Vogelschlag an Glas".



Vogelsterben 2017 - Ursachen: Insektensterben, Agrargifte, Naturzerstörung, Vogelschlag und andere Gründe


  • Jährlich getötete Vögel nach Verursacher in den USA

    Vögel: Anzahl Todesfälle
    • Windkraftanlagen 0,1–0,44 Millionen
    • Gebäude 0,1–1.000 Millionen
    • Sendetürme 5–6,8 Millionen
    • Freileitungen 0,1–175 Millionen
    • Kraftfahrzeuge 60–80 Millionen
    • Pestizide in der Landwirtschaft 67–90 Millionen
    • Katzen (Haus- und Wildkatzen) 365–1000 Millionen

    Quelle: Wikipedia

    Vogelsterben aktuell


    Eine ausführliche, aktuelle Antwort (02.05.2017) der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Steffi Lemke, Harald Ebner, Annalena Baerbock, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit dem Titel "Stummer Frühling – Verlust von Vogelarten" finden Sie hier (PDF-Datei)


    Aktueller SZ-Artikel zum Sterben der Vögel (Mai 2017):
    „In der EU [ist] die Zahl der Brutpaare in landwirtschaftlichen Gebieten zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen Tiere zurückgegangen, das ist ein Minus von 57 Prozent.[…]
    "Die Situation der Vögel ist dramatisch", warnte die Grünen-Politikerin Steffi Lemke und warf der Regierung Versäumnisse in der Agrarpolitik vor. […]
    Der Grund für das Vogelsterben liegt nach Ansicht der Naturschützer in der immer stärker intensivierten Landwirtschaft. Viele Bauern hätten etwa auf Wintergetreide umgestellt […] . Das werde nicht im März, sondern schon im Herbst gesät und stehe zur Brutzeit im Frühling bereits so hoch und dicht, dass viele Vögel darin weder Nahrung noch Brutflächen fänden […].
    Aber vor allem auch die Spritzmittel rauben den Vögeln ihre Lebensgrundlage: Insekten. […]
    "Herbizide und Insektizide haben dazu geführt, dass wir bei den Insekten in den letzten 30 Jahren einen Rückgang von 80 Prozent hatten." Das wirke sich enorm auf viele Vogelarten aus. […] Von 258 Vogelarten in Deutschland würden 141 in ihrem Bestand abnehmen. Seit dem Jahr 1800 habe man 80 Prozent der Vögel verloren.“

    Quelle: Süddeutsche Zeitung: "Deutschland sterben die Vögel weg"


    Wichtiger Einschub:



    Zwei aktuelle Studien zeigen, dass Neonicotinoide zum Bienen-/Insektensterben beitragen:

    „Wie zwei Studien im Wissenschaftsjournal Science jetzt darlegen, ist eine wichtige Gruppe von Tätern nun wohl dingfest gemacht: sogenannte Neonicotinoide, kurz Neonics genannt. Die Gifte werden als Insektenvernichter weltweit auf Äcker verbracht. Die Studienergebnisse sind nach Aussage zahlreicher unbeteiligter Experten eindeutig. Neonics wirken sich negativ auf die Fortpflanzung und das Überleben von Honigbienen und Hummeln aus. […]

    Neonics vergiften ohne Rücksicht auf die Spezies das Nervensystem von Insekten und verbleiben oft Jahre in den Böden. […]
    Die Ergebnisse beider Studien stützen nun die Forderung nach einem Verbot. […]

    Die Forscher fanden außerdem heraus, dass Fungizide, die einen Pilzbefall der Maiskörner verhindern sollen, die Effekte der Neonics auf die Bienen eklatant verstärkten. […]

    Die Arbeit belege eine Belastung von Wildblumen - und somit eine Migration der schwer abbaubaren Gifte vom Acker in weitere Pflanzen, die als Nahrung für viele andere Tiere dienen. […]

    Auch viele andere Tiere leiden unter dem Einsatz von Unkraut-, Insekten- und Pilzvernichtern. So hatte bereits vor drei Jahren eine Studie gezeigt, dass die Zahl der Schwalben in den Niederlanden stark abnimmt. Auf dem Speiseplan der Rauchschwalbe stehen dabei nicht einmal Bienen. Dafür aber zahlreiche andere Insekten, die dank der unspezifischen Wirkung der Neonics dezimiert werden. Die Schwalben müssen hungern, genauso wie eine ganze Reihe anderer Wirbeltiere, die sich hauptsächlich von Insekten ernähren. […]

    In manchen Regionen Deutschlands ist der Artenreichtum von Schmetterlingen um 70 Prozent geschrumpft, die Zahl aller Insekten hat sich in den vergangenen 25 Jahren halbiert.“

    Quelle: Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2017: "Insektizide tragen zum Bienensterben bei"


    Auszug aus einer Rede von Axel Mayer beim "March against Monsanto & Syngenta" am 20. Mai 2017 in Basel:

    "In was für Zeiten leben wir, wenn Bienenvölker in Großstädten besser gedeihen als auf dem Land!

    Wenn unsere Insekten sterben, dann müssen wir in postfaktischen Zeiten die Ursachen analysieren & klug bewerten
    und wir müssen dennoch wütend & zornig sein.

    Ich stehe hier für den BUND, für einen Naturschutzverband

    Die Medien schauen gerne nach Afrika, wo die Nashörner von Wilderern ausgerottet werden
    Wir müssen für die Nashörner kämpfen

    Aber unser badisch-schweizer-elsässisches Nashorn
    ist der Käfer, der Schmetterling, die Schwalbe

    Und wir kennen die Firmennamen unserer Wilderer..."

    Die Rede finden Sie hier.



    Infos zum Schmetterlingssterben / Insektensterben / Insektensterbenleugnern


    Aktueller, wichtiger Einschub:

    Bauernregeln, Glyphosat & die Macht der Agrarlobby / Eine kleine, große Niederlage der Naturschutzbewegung im Jahr 2017

    Die Umwelt- und Naturschutzbewegung hat im Jahr 2017 einige Niederlagen einstecken müssen. Der aktuelle Glyphosat-Kniefall von CSU-Landwirtschaftsminister Schmidt vor der Agrochemielobby, vor Monsanto und Bayer, war schon Februar 2017 absehbar.

    Die Schwäche des Natur- und Umweltschutzes und die Stärke und Macht der Agrochemielobby und der Bauernverbände in Zeiten eines massiven Insektensterbens und in einer Zeit zunehmender Nitratwerte im Grundwasser zeigen die nicht gedruckten Plakate des Umweltministeriums im Februar 2017.

    "Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat nach der massiven Kritik an den vom Umweltministerium veröffentlichten „Bauernregeln“ eingelenkt und öffentlich um Entschuldigung gebeten", meldeten viele Medien im Februar 2017. Das Bundesumweltministerium konnte dem gut organisierten Druck und der Macht der Agrarlobby, von Bauernverbänden, Gift und Dünger produzierenden Chemiekonzernen und deren Paten in der Politik in CDU, CSU und FDP nicht länger standhalten. Die gut organisierte Kampagne in den Medien und der Shitstorm in den "sozialen" Netzwerken zeigten wieder einmal, wer in diesem Land die Macht hat.
    Agrarminister Hauk im "grün-SCHWARZEN" Baden-Württemberg forderte sogar den Rücktritt von Frau Hendricks. Diese populistische Rücktrittsforderung war ein politischer Skandal; eine Forderung, die sich Herr Kretschmann nicht bieten lassen dürfte. In den Bauernregeln wurde niemand beleidigt, sondern es wurden real existierende Probleme pointiert auf den Punkt gebracht.

    Hier weiterlesen.


    Weiterer, aktueller Einschub:
    Das "grün-schwarze" Land Baden-Württemberg hat gegen das Insektensterben ein Sonderprogramm biologische Vielfalt aufgestellt. Als wichtige Bausteine nennt es die "Schaffung, Aufwertung und Verbindung von Lebensräumen, wie z. Bsp .Ackerrandstreifen. Diese Ziele verfolgen zum Beispiel das Moorschutzprogramm, der landesweite Biotopverbund, die Qualitätssicherung von Naturschutzgebieten sowie die Aufwertung von Wacholderheiden. Diese Maßnahmen wirken gezielt gegen das Insektensterben und sind entscheidende Handlungsfelder" schreibt das Umweltministerium.
    Die Worte Gift, Neonicotinoide und Glyphosat spielen keine Rolle. Es geht um mehr Zuschüsse für die Landwirtschaft und mehr Grün in der Landwirtschaft und Landschaft. Das ist alles hübsch, aber es verkennt das Problem. Das verdrängte Hauptproblem ist die Fernwirkung der Gifte, die Insekten selbst in großen Naturschutzgebieten dezimiert. Die neuen Ackerrandstreifen sind vergiftete Todesfallen für Insekten. Das Insektensterben lässt sich nicht mit Alibi-Biotopen bekämpfen. Einige problematische Agrargifte sind das zentrale Problem. Das Sonderprogramm des Landes Baden-Württemberg setzt an der falschen Stelle an und lenkt vom Grundproblem der Gifte und der Fernvergiftung ab.




    Axel Mayer, BUND-Regionalgeschäftsführer



    Aktuelle Quellen, Links und Hintergründe zu den Themen Vögel, Fledermäuse, Windräder, Vogelschlag



    • Aktuelle Broschüre des BUND NRW: "Vogelschlag an Glas - Das Problem und was Sie dagegen tun können" (PDF-Datei)


    • "Das stärkste Argument der Anlagenbetreiber ist der Klimaschutz: Ihre Anlagen stoßen kein Kohlendioxid aus und stehen damit nicht unter Verdacht, zur Erderwärmung beizutragen. Fossilfunde belegten einen Zusammenhang
      zwischen weltumspannenden Artenrückgängen als Folge von Klimaveränderungen auf der Erde.“
      Quelle: Focus: "Mythos: Windkraftanlagen töten massenweise Vögel",



    • Der BUND Baden-Württemberg schreibt zu diesem Thema:
      "Aufgrund ihres jeweils unterschiedlichen Verhaltens sind Fledermaus- und Vogelarten durch Windenergieanlagen in unterschiedlichem Ausmaß oder je nach Art auch gar nicht gefährdet.[...]
      Potenzielle Gefährdungen dieser Arten durch Windenergieanlagen bestehen durch Kollisionen mit den sich drehenden Rotorblättern und an den Masten, Barotraumata [...], Lebensraumverluste, eine mögliche Scheuchwirkung beziehungsweise ein Meideverhalten sowie durch Beeinträchtigungen der Fortpflanzungs- und Ruhestätten.

      Diese Gefährdungen können durch eine gute Standortwahl und bestimmte Vermeidungsmaßnahmen [...] minimiert werden. [...]

      Konkret kann dies etwa bei Fledermäusen durch das Abschalten von Anlagen zu Zeiten erhöhter Fledermausaktivität geschehen.

      Bei vielen Vogelarten, wie z.B. dem Rotmilan, kann ein ausreichender Abstand zwischen Horst und Windenergieanlage Konflikte vermeiden.


      BUND und NABU fordern eine frühzeitige und echte Beteiligung der Bürgerschaft und der Umweltverbände bei der Planung von Windenergieanlagen, die über das formelle Beteiligungsverfahren sowie die Ebenen der Information und Konsultation hinausgeht.
      Quelle: BUND Landesverband Baden-Württemberg: "Windenergie und der Fledermaus- und Vogelschutz"


    • Die von BUND und NABU herausgegebene Broschüre "Praxisbeispiele Windenenergie & Artenschutz" finden Sie hier als PDF-Datei


    • Studien zu Rotmilanen / Mäusebussarden
      - "Windenergie und Rotmilan/Mäusebussard - Ein Scheinproblem"
      - "Was wissen wir über die Todesursachen und Krankheiten beim Rotmilan!?


    • "Windkraftanlagen stellen kein erhöhtes tödliches Risiko für bedrohte Vogelarten dar. Zu diesem Ergebnis kommt eine [..] Studie, die sich mit den Auswirkungen von Windkraftanlagen insbesondere auf die Bestandsentwicklung des Rotmilans beschäftigt. Ausgewertet wurden verschiedene Daten zu den Todesursachen von als windkraft-sensibel eingestuften Vogelarten sowie zu der Entwicklung ihrer Bestände."
      Quelle (Windkraftfreundlich): Hans-Josef Fell: "Neue Studie belegt: Bestand des Rotmilan nicht durch Windkraft gefährdet"


    • "Wirkungsvolle Maßnahmen zur Minimierung negativer Auswirkungen von Windkraftnutzung auf Vögel und Fledermäuse sind:
      • eine geeignete Standortwahl (Meidung von Feuchtgebieten, Wäldern und Gebirgsrücken mit hoher Greifvogeldichte),
      • Maßnahmen, die dazu dienen, die Standorte von WKA möglichst wenig attraktiv für potentielle Kollisionsopfer zu machen,
      • eine geeignete Konfiguration von WKA im Windpark (Aufreihung parallel und nicht quer zu den Hauptflugrichtungen von z. B. Zugvögeln)
      • sowie bestimmte bauliche Vorkehrungen (Vermeidung von Gittermasten, Drahtseilen und oberirdischen elektrischen Leitungen)."
      Quelle: Windenergie und Vögel: NABU-Studien zum Thema Verträglichkeit von Windenergie auf die Vogelwelt.


    • Artikel zum Vogelsterben verursacht durch den Klimawandel:
      "Extreme Wetterlagen beeinträchtigen nach einer Untersuchung von Umweltschützern immer stärker die Überlebenschancen von Vögeln in ihrem gewohnten Umfeld. Bereits ein Viertel der analysierten 570 Vogelarten ist durch den Klimawandel in ihrem Lebensraum bedroht. [...]

      Der steigende Meeresspiegel und höhere Temperaturen vertreiben die Tiere laut dem Bericht aus ihren angestammten Regionen. Viele Vögel siedelten sich in höher gelegenen Gebieten an oder zögen nach Norden.

      Zusätzlich hätten die steigenden Temperaturen erste Auswirkungen auf das Brutverhalten eines Grossteils der Vögel. Sie legten weniger Eier, ausserdem überlebten weniger Jungvögel. Viele Arten seien bereits jetzt vom Aussterben bedroht."
      Quelle: swissinfo: "Naturschützer warnen vor Vogelsterben durch Klimawandel"


    • Vogelschlag, Meideverhalten & Habitatnutzung an bestehenden Windkraftanlagen

      "Kollisionen von Vögeln und Fledermäusen an Windkraftanlagen Ostösterreichs:
      Insgesamt wurden 5 WEA [...] täglich nach Kollisionsopfern abgesucht.

      Im Untersuchungszeitraum eines Jahres wurden pro Anlage durchschnittlich 2,6 Vögel und 2,8 Fledermäuse Singvögel als hochwahrscheinliche Kollisionsopfer gefunden.
      Die kollidierten Singvögel sind häufige Arten und werden gem. Roter Liste nicht als gefährdet eingestuft [...].

      Da die Zahl der gefundenen Kollisionsopfer nicht den tatsächlichen Opferzahlen entspricht, wurde die Kollisionsrate unter Einbeziehung von Suchereffizienz und Verschleppungsrate berechnet.

      Die berechnete Kollisionsrate ergibt als Durchschnittswert für alle 3 Windparks 7,06 Vögel und 5,33 Fledermäuse pro WEA und Jahr.

      Die berechnete Kollisionsrate weist nur geringe Unschärfen auf und kann als Annäherung an die tatsächliche Opferbilanz (ohne verletzte Vögel) gesehen werden.
      Die ermittelten Kollisionszahlen lagen unter den Erwartungen; weiters war auffällig, dass keine Greifvögel [...] sondern nur Singvögel [...] vertreten waren."
      Quelle: IG Windkraft: "Vogelschlag, Meideverhalten & Habitatnutzung an bestehenden Windkraftanlagen" (PDF-Datei)



    Warnungen & Hinweise 2017:
    • 1) Diese Internetseiten sind "altmodisch-textorientiert" und manchmal lang. Wir bieten keine modischen Infohäppchen, sondern wenden uns an die kleine Minderheit, die noch in der Lage ist längere Texte zu lesen und zu erfassen.
    • 2) Wenn Sie hier "Die Wahrheit" suchen, werden Sie sie nicht finden. Es gibt sie nicht, "Die Wahrheit", sondern immer nur Annäherungen daran, Wahrheitsfragmente. Es wird Ihnen nichts übrigbleiben, als sich mit den "Wahrheiten" der AKW - Befürworter, der Wachstums-, Umweltzerstörungs- und Gentechniklobby, mit Kohle- und Atomparteien, Insektensterben-Leugnern und Globalisierungsfreunden auseinander zu setzen, um zu einer eigenen Meinung zu kommen. Verlassen Sie auch einmal den engen "Echoraum" der eigenen Meinung im Internet. Misstrauen Sie Wahrheitsverkündern. Haben Sie Mut, Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen.
    • 3) Im Zweifel ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.


    Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer



    Artenschutz, Vogelschutz, Artensterben, Insektensterben, Nistkästen bauen...



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    Axel Mayer







    Rote Liste - Einheimische Vögel Deutschland



    Rote Liste Deutschland

    Quelle: www.unter-geiern.com

    Alle Aussagen über den Bestand der verschiedenen Vogelarten auf dieser Website beziehen sich auf die aktuelle offzielle "Rote Liste der Brutvögel Deutschlands" aus dem Jahr 2016. Diese teilt Brutvögel in die Kategorien 0 bis 3, sowie R und V ein. Im Folgenden sind zum Überblick noch einmal alle auf dieser Seite vorgestellten Arten in die jeweiligen Kategorien eingeordnet.

    Kategorie 0: Bestand erloschen
    In dieser Kategorie befinden sich 13 Arten, die bei uns in Deutschland als Brutvogel ausgestorben sind, u.a.
    • Gänsegeier
    • Mornellregenpfeifer
    • Schlangenadler



    Kategorie 1: vom Aussterben bedroht
    In dieser Kategorie befinden sich insgesamt 29 Arten, deren Bestand akut vom Erlöschen bedroht ist, u.a.
    • Alpenstrandläufer
    • Bekassine
    • Brandseeschwalbe
    • Brachpieper
    • Bruchwasserläufer
    • Goldregenpfeifer
    • Großer Brachvogel
    • Großtrappe
    • Haubenlerche
    • Kampfläufer
    • Kornweihe
    • Küstenseeschwalbe
    • Lachseeschwalbe
    • Moorente
    • Ohrentaucher
    • Raubseeschwalbe
    • Sandregenpfeifer
    • Schreiadler
    • Seeregenpfeifer
    • Steinschmätzer
    • Sumpfohreule
    • Trauerseeschwalbe
    • Uferschnepfe
    • Zippammer
    • Zwergseeschwalbe


    Kategorie 2: stark gefährdet
    In diese Kategorie werden 19 Arten eingeordnet, u.a.
    • Braunkehlchen
    • Flussseeschwalbe
    • Flussuferläufer
    • Grauspecht
    • Kiebitz
    • Knäkente
    • Nachtreiher
    • Raubwürger
    • Rebhuhn
    • Steinwälzer
    • Turteltaube
    • Wendehals
    • Wiesenpieper
    • Wiesenweihe


    Kategorie 3: gefährdet
    Dieser Kategorie wurden insgesamt 27 Arten zugewiesen, u.a.
    • Baumfalke
    • Baumpieper
    • Bluthänfling
    • Feldlerche
    • Feldschwirl
    • Fischadler
    • Krickente
    • Löffelente
    • Mehlschwalbe
    • Rauchschwalbe
    • Rohrdommel
    • Rotschenkel
    • Spießente
    • Star
    • Trauerschnäpper
    • Tüpfelsumpfhuhn
    • Weißstorch
    • Wespenbussard
    • Wiedehopf
    • Zaunammer



    Kategorie R: Art mit geographischer Restriktion
    Diese Kategorie umfasst 29 Arten, die bei uns selten vorkommen. Meist brüten sie nur in Teilen Deutschlands, u.a.
    • Alpenbraunelle
    • Basstölpel
    • Bergente
    • Dreizehenmöwe
    • Eissturmvogel
    • Felsenschwalbe
    • Gelbkopf-Schafstelze
    • Grünlaubsänger
    • Löffler
    • Mantelmöwe
    • Mauerläufer
    • Pfeifente
    • Purpurreiher
    • Singschwan
    • Steppenmöwe
    • Tordalk
    • Trottellumme
    • Weißbart-Seeschwalbe
    • Weißflügel-Seeschwalbe
    • Zwergmöwe


    Kategorie V: Vorwarnliste
    Diese Kategorie beinhaltet 17 Arten, die noch nicht gefährdet sind, aber bei denen z.B. durch starke Bestandsrückgänge Grund zur Besorgnis besteht, u.a.
    • Feldsperling
    • Gänsesäger
    • Gartenrotschwanz
    • Goldammer
    • Grauschnäpper
    • Haussperling
    • Heidelerche
    • Kleinspecht
    • Kuckuck
    • Pirol
    • Rotmilan
    • Teichhuhn
    • Uferschwalbe
    • Wasserralle



    Das Fazit sieht wenig erfeulich aus: fast die Hälfte aller einheimischen Brutvogelarten findet sich mittlerweile in einer der oben aufgeführten Kategorien wieder. Doch der Vergleich mit früheren Roten Listen zeigt auch: durch konsequente Schutzmaßnahmen konnten einige Arten wieder erfolgreich ihre Bestände vermehren, sodass sie nicht mehr aufgelistet sind.



    Vögel & Vogelsterben in Deutschland


    Hühner
    • Fasan
    • Wachtel
    • Auerhuhn
    • Birkhuhn
    • Steinhuhn
    • Alpenschneehuhn
    • Rebhuhn
    • Haselhuhn


    Krähen
    • Saatkrähe
    • Nebelkrähe
    • Rabenkrähe


    Elster
    • Dohle
    • Alpendohle
    • Kolkrabe
    • Tannenhäher
    • Eichelhäher


    Sperlinge
    • Feldsperling
    • Schneesperling
    • Haussperling


    Enten
    • Stockenten
    • Höckerschwan
    • Mittelsäger
    • Gänsesäger
    • Schnatterente
    • Löffelente
    • Kolbenente
    • Tafelente
    • Mandarinente
    • Krickente
    • Pfeilente
    • Moorente
    • Spießente
    • Schellente
    • Knäkente
    • Reiherente
    • Bergente
    • Eiderente
    • Singschwan
    • Graugans
    • Rostgans
    • Kanadagans
    • Brandgans
    • Weißwangengans
    • Nilgans


    Tauben
    • Stadttaube
    • Turteltaube
    • Hohltaube
    • Türkentaube
    • Ringeltaube


    Baumläufer
    • Gartenbaumläufer
    • Waldbaumläufer


    Lappentaucher
    • Zwergtaucher
    • Haubentaucher
    • Rothalstaucher
    • Schwarzhalstaucher


    Wiedehopfe
    • Wiedehopf


    Bienenfresser (Spinte)
    • Bienenfresser


    Pirol
    • Pirol


    Eisvögel
    • Eisvogel


    Segler
    • Alpensegler
    • Mauersegler


    Reiher
    • Fischreiher
    • Nachtreiher
    • Purpurreiher
    • Rohrdommel
    • Zwergdommel


    Meisen
    • Blaumeise
    • Kohlmeise
    • Sumpfmeise
    • Bartmeise
    • Schwanzmeise
    • Beutelmeise
    • Weidenmeise
    • Haubenmeise
    • Tannenmeise


    Sturmvögel
    • Eissturmvogel


    Tölpel
    • Basstölpel


    Kuckucke
    • Kuckuck


    Pagageien
    • Halsbandsittich


    Ibisse
    • Löffler
    • Waldrapp


    Störche
    • Weißstorch
    • Schwarzstorch


    Ammern
    • Goldammer
    • Grauammer
    • Rohrammer
    • Waldammer
    • Zippammer
    • Ortolan


    Regenpfeiler
    • Flussregenpfeiler
    • Goldregenpfeiler
    • Kiebitz


    Kraniche
    • Kranich


    Rallen
    • Bläshuhn
    • Teichhuhn
    • Wasserralle
    • Tümpelsumpfhuhn
    • Wachtelkönig
    • Kleines Sumpfhuhn


    Lerchen
    • Haubenlerche
    • Heidelerche
    • Feldlerche


    Finken
    • Buchfink
    • Bergfink
    • Grünfink
    • Gimpel
    • Stieglitz
    • Bluthänfling
    • Girlitz
    • Polarbirkenzeisig
    • Birkenzeisig
    • Kernbeisser
    • Karmingimpel
    • Fichtenkreuzschnabel
    • Zitronenzeisig
    • Erlenzeisig


    Zaunkönige
    • Zaunkönig


    Alken
    • Trottellumme
    • Tordalk


    Eulen
    • Sumpfohreule
    • Waldohreule
    • Schleiereule
    • Uhu
    • Habichtskauz
    • Waldkauz
    • Sperlingskauz
    • Raufußkauz
    • Steinkauz


    Würger
    • Rotkopfwürger
    • Raubwürger
    • Neuntöter


    Schnepfen
    • Großer Brachvogel
    • Waldschnepfe
    • Uferschnepfe
    • Bekassine
    • Waldwasserläufer
    • Kampfläufer
    • Langzehenstrandläufer
    • Alpenstrandläufer
    • Steinwälzer
    • Flussuferläufer


    Seeschwalben
    • Küstenseeschwalbe
    • Lachseeschwalbe
    • Raubseeschwalbe
    • Trauerseeschwalbe
    • Flussseeschwalbe
    • Zwergseeschwalbe
    • Brandseeschwalbe


    Kormorane
    • Kormoran


    Greifvögel
    • Steinadler
    • Seeadler
    • Fischadler
    • Schreiadler
    • Schwarzmilan
    • Rotmilan
    • Mäusebussard
    • Wespenbussarde
    • Sperber
    • Kornweihe
    • Wiesenweihe
    • Rohrweihe
    • Habicht
    • Turmfalke
    • Baumfalke
    • Wanderfalke


    Möwen
    • Lachmöwe
    • Silbermöwe
    • Mantelmöwe
    • Sturmmöwe
    • Mittelmeermöwe
    • Dreizehenmöwe
    • Schwarzkopfmöwe
    • Steppenmöwe
    • Heringsmöwe


    Rohrsänger u.ä.
    • Seggenrohrsänger
    • Schilfrohrsänger
    • Sumpfrohrsänger
    • Drosselrohrsänger
    • Teichrohrsänger
    • Orpheusspötter
    • Gelbspötter


    Spechte
    • Grünspecht
    • Schwarzspecht
    • Grauspecht
    • Buntspecht
    • Kleinspecht
    • Dreizehenspecht
    • Mittelspecht
    • Weißrückenspecht
    • Wendehals


    Schnäpper u.ä.
    • Grauschnäpper
    • Halsbandschnäpper
    • Steinrötel
    • Hausrotschwanz
    • Gartenrotschwanz
    • Steinschmätzer
    • Sprosser
    • Blaukehlchen
    • Braunkehlchen
    • Rotkehlchen


    Grasmücken
    • Dorngrasmücke
    • Mönchsgrasmücke
    • Klappergrasmücke
    • Sperbergrasmücke
    • Gartengrasmücke


    Stelzen
    • Bachstelzen
    • Trauerbachstelze
    • Wiesenschafstelze
    • Brachpieper
    • Baumpieper
    • Wiesenpieper
    • Bergpieper


    Schwalben
    • Mehlschwalbe
    • Felsenschwalbe
    • Uferschwalbe
    • Rauchschwalbe


    Goldhähnchen
    • Wintergoldhähnchen
    • Sommergoldhähnchen


    Drosseln und Amseln
    • Amsel
    • Wasseramsel
    • Ringdrossel
    • Misteldrossel
    • Wacholderdrossel


    Stare
    • Star


    Mauerläufer
    • Mauerläufer


    Grassänger
    • Rohrschwirl
    • Schlagschwirl
    • Feldschwirl


    Kleiber
    • Kleiber


    Laubsänger
    • Waldlaubsänger
    • Berglaubsänger
    • Grünlaubsänger
    • Zilpzalp
    • Fitis



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    Dieser Artikel wurde 33740 mal gelesen und am 9.12.2017 zuletzt geändert.