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Wasser, Grundwasser, Nitrat & Salz im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald

19.05.2015

Wasser, Grundwasser, Nitrat & Salz im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald



BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Regionalverband Südlicher Oberrhein


An die Medien im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Immer noch beunruhigend hohe Nitratbelastung des Grundwassers im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald

Die Themen Grundwasser und Grundwasserschutz sind wichtige Aufgaben des BUND und wir verstehen uns auch als Lobby der „Wassertrinker“ und des Bodenschutzes. Seit Jahrzehnten beschäftigen uns die Grundwasserthemen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.

Die massiven Grundwasser- und Trinkwasserprobleme in Breisach zeigen die Probleme im Landkreis überdeutlich. Tief unten das Salz aus den elsässischen Kaliminen, das die Rohre zerfrisst und in den oberen Grundwasserstockwerken die hohen Nitratwerte. Dies führt dazu, dass Breisach jetzt für 3,5 Millionen Euro eine neue Verbundleitung ans Wasserwerk Hausen erhalten soll. Der BUND geht immer noch davon aus, dass nicht die VerbraucherInnen sondern die Verursacher der Versalzung zahlen sollten. Ein Antwortbrief des Landratsamtes (Anlage) auf eine BUND-Anfrage zeigt, dass es ernstzunehmende Sorgen gibt, dass die Breisacher „Problemlösung“, das Wasserschutzgebiet Hausen, wegen des Nitrats zum „Problemgebiet“ werden könnte.

Theoretisch müsste die Trinkwasserbeschaffung im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald einfach sein, denn der Landkreis „sitzt“ auf einem der größten Grundwasserseen Europas mit geschätzten 45 Milliarden Kubikmetern Volumen im Oberrheingraben. Doch die Realität ist leider eine andere, wie aktuell die Beispiele Breisach, Hausen und Krozinger Berg zeigen. (Anlage)

Der große unterirdische Trinkwassersee am Oberrhein ist an vielen Stellen mit Schadstoffen aus Altlasten, aber auch mit Problemstoffen aus der Landwirtschaft, mit Pestiziden und Nitrat belastet.
Die Nitratbelastung des Grundwassers ist hauptsächlich auf den Einsatz von mineralischem und organischem Dünger zurückzuführen. Die Art und Weise der Bewirtschaftung spiegelt sich im Grundwasser wieder. Der Anbau von Mais in der Rheinebene zeigt sich in einer flächenhaften Belastungsfahne. Auch der intensiv gedüngte Wein bringt starke Belastungen in der Vorbergzone des Schwarzwaldes. Bei Konflikten um die Ausweisung von neuen Wasserschutzgebieten haben die "Wassertrinker” die schwächste Lobby.
Aus diesem Grund hatten wir Frau Landrätin Störr-Ritter gebeten, uns über den aktuellen Stand und die Entwicklungen der Grundwasser-Schadstoffwerte (insbesondere Nitrat) im Landkreis zu informieren. In der Anlage senden wir Ihnen die erfreulich umfangreiche und ehrliche Antwort des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald und Links zu Tabellen der LUBW (Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg).

In Sachen Grundwasserschutz haben Behörden, Wasserversorger und der Bund für Umwelt und Naturschutz durchaus übereinstimmende Interessen. Wir haben den Vorteil uns ein wenig deutlicher äußern zu können.

Die Antwort im Anhang zeigt die Probleme sehr deutlich / hier ein Auszug:
„Leider gibt es im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald immer noch Bereiche mit einer zu hohen Nitratbelastung des Grundwassers. In Teilen der Rheinebene mit ungünstigen hydrologischen Rahmenbedingungen und intensiver landwirtschaftlicher Produktion sind auch Nitratwerte über dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung im Grundwasser zu messen. Alle Wasserschutzgebiete, die nach der Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (SchALVO) als Problem- oder Sanierungsgebiet eingestuft sind, liegen hier oder in Weinbaugebieten des Kaiserstuhls und der Vorbergzone.“ (...)

„Seit dem Jahr 2001, als die Schutzgebiete nach der SchALVO erstmals eingestuft wurden, hat sich die Anzahl der Problem- und Sanierungsgebiete im Landkreis folgendermaßen entwickelt: Aus den ursprünglich fünf Problemgebieten wurden durch Neueinstufung oder Abstufung von Sanierungsgebieten acht Problemgebiete. Die Zahl der Sanierungsgebiete ist von fünf auf vier gesunken.“ (Zitatende)

Wenn wir als BUND die Nitratbelastung des Grundwassers durch die Landwirtschaft kritisieren, dann müssen wir aber auch sagen, dass unsere Landwirte immer mehr der internationalen Konkurrenz ausgesetzt sind. Das geplante Freihandelsabkommen TTIP wird den Druck, mehr Gift und mehr Dünger einzusetzen, noch verstärken.

Im jüngsten „Nitratbericht“ der EU-Kommission wird Deutschland als eines von wenigen Ländern für seine »sehr schlechte« Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie gerügt, die eine Verschlechterung der Gewässerqualität verbietet.

Seit vielen Jahrzehnten ist die Grundwasser- und Nitrat-Problematik im Landkreis bekannt, aber die erzielten Fortschritte in unserer „Ökoregion“ sind leider klein, wie die Antwort aus dem Landratsamt deutlich zeigt.
Der BUND wünscht sich beim Nitrat einen stärkeren Schutz der Trinkwassertrinker und ein konsequenteres Vorgehen der Behörden. In Breisach sollte beim Salz aus dem Elsass endlich einmal das Verursacherprinzip durchgesetzt werden und der Salzberg in Buggingen muss auf Kosten der Kali und Salz-AG schnellstmöglich saniert werden.

Axel Mayer, Regionalgeschäftsführer

Anhang:





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Dieser Artikel wurde 1978 mal gelesen und am 19.5.2015 zuletzt geändert.