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Weidbuchen 2019: "Badische Bonsai" und beeindruckende Baumgestalten im Schwarzwald

03.05.2016

Weidbuchen 2019: "Badische Bonsai" und beeindruckende Baumgestalten im Schwarzwald


Zu den schönsten und beeindruckendsten Baumgestalten im Schwarzwald, in den Südvogesen und auf der Schwäbischen Alb zählen die Weidbuchen. In ihrer bizarren Form drückt sich auch Geschichte aus. Geschichte von Menschen und von Bäumen, vor allem aber Geschichte von guten und schlechten Zeiten aus dem Wald...











Früher standen Weidbuchen
fast überall auf den alten Weidfeldern im Südschwarzwald. Heute sind diese landschaftsprägenden Baumgestalten leider selten geworden.

Weidbuchen sind eine besondere Wuchsform
der Rotbuche (Fagus sylvatica). Ursache für ihr eigentümliches, skurriles Wachstum ist der Verbiss durch das Vieh, denn die Rinder auf den Weiden fressen gerade in Mangeljahren neben Gras und Kräutern auch gerne die Blätter und Triebe junger Buchen. So litten die Jungbuchen in wirtschaftlich armen Zeiten jahrzehntelang unter dem Verbiss und dem Tritt des Viehs. Dennoch trieben einige der kleinen Buchenbüsche jedes Jahr erneut aus. So wurde aus den kleinen jungen Pflanzen langsam ein „Kuhbusch“. Ein kleines, unscheinbares Büschlein, nur 60 cm groß, kann bis 50, in manchen Fällen auch über 110 Jahre alt sein.


Der Lebensweg der Weidbuchen

Nach vielen Jahrzehnten reicht das Kuhmaul
nicht mehr in die Mitte des Kuhbusches und die mittleren Triebe wachsen schnell in die Höhe. Die kleinen Stämme wachsen eng aneinander und manchmal sogar zu einem dicken Stamm zusammen. So wird aus dem "badischen Bonsai" nach vielen Jahrzehnten ein Baum und nach weit über hundert Jahren eine beeindruckende, landschaftsprägende Baumgestalt, die auch von guten und schlechten Zeiten in der Geschichte des Schwarzwaldes erzählt. Manche Weidbuchen im Schwarzwald haben einen Umfang von bis zu sieben Metern. Irgendwann, nach 200 Jahren, brechen die Weidbuchen zusammen und aus vermoderndem Holz wächst neues Leben.

Die Weidbuchen im Wiesental, am Schauinsland und Belchen
wurden in den Jahren 2003 bis 2006 zahlenmäßig erfasst. An 1600 Stellen wurden noch Weidbuchen gefunden: (viel zu wenige) kleine Kuhbüsche, Jungbäume, beeindruckende, freistehende Exemplare und uralte Bäume.

Im 17. und bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgte die Beweidung mit ca. 1 Großvieheinheit (GVE) auf 2-3 ha Weideland. Das Aufkommen von Gehölzen und der geringere Verbissdruck werden unter anderem mit politisch-gesellschaftlichen Ereignissen wie dem Dreißigjährigen Krieg in Zusammenhang gebracht.
Die Zahl der Viehhalter war niedriger und die Weidepflege wurde weniger intensiv betrieben. Die heutigen großen Weidbuchen (im Schwarzwald) könnten vor allem in diesem Zeitraum entstanden sein.

Quelle: Jahrringanalytische Untersuchungen an Weidbuchen im Südschwarzwaldhier


Die heutige Form der Kuhhaltung und der Milchwirtschaft
würde die Entwicklung vom Kuhbusch zur Weidbuche nicht mehr zulassen. Am Wiedener Eck gibt es erste Versuche von Naturschützern und Biologen eine neue Generation von Weidbuchen wachsen zu lassen.

Weidbuchen „passen eigentlich nicht“ in unsere Zeit...
Es sind in Würde gealterte Charakterbäume, die nicht in unser Botox-Zeitalter passen, in der Falten weggespritzt werden und in der ein hysterischer Jugendkult schon lange nicht mehr auf die Menschen beschränkt ist.

Weidbuchenpflege ist Naturschutz
Wenn Bäume alt werden, ja überaltern, wird ihr ökologischer Wert immer größer. Sie bieten dann Lebensraum und „ökologische Nischen“ für speziell angepasste Lebewesen. Tote Ast- und Stammpartien, ausgefaulte, mulmgefüllte Baumhöhlen und Spechtlöcher, lockere Rindenpartien und Baumpilze: all das sind kleine Sonderbiotope, die bedrohten, teils interessanten und seltenen Arten Lebensmöglichkeiten bieten. Leider gibt im Schwarzwald fast keine sterbenden und abgestorbenen Weidbuchen mehr. Um diese mehr als beeindruckenden, würdevollen, toten Bäume voller Leben zu finden müssen Sie schon nach Korsika reisen.

Die einzigartige Natur und Landschaft
im Schwarzwald braucht unseren Schutz. Ein Biosphärengebiet im Südschwarzwald und und ein Nationalpark Nordschwarzwald sind Schritte in die richtige Richtung, die auch vom BUND am Südlichen Oberrhein unterstützt werden.


Zum Vergrößern der Grafik einfach hier klicken
(Diese leicht überarbeitete Grafik ist dem Buch "Weidbuchen im Schwarzwald und ihre Entstehung durch Verbiß des Wälderviehs" entnommen - sie können das Buch hier erwerben.)



Die "katholischste" aller Weidbuchen ist die alte Buche beim "Balzer Herrgott" - eine eingewachsene steinerne Christusfigur bei Wildgutach im Schwarzwald.


Text und Fotos: Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer



Zu diesem wunderbaren regionalen Naturthema hat der BUND Regionalverband einen schönen Flyer erstellt. 100 Flyer gibt´s hier zum Selbstkostenpreis von nur 4 Euro. Für Touristinfos, Hotels, NaturschützerInnen, Umweltgruppen, WanderführerInnen....






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  • Link: Jahrringanalytische Untersuchungen an Weidbuchen im Südschwarzwald hier als PDF-Datei verfügbar
  • Info: Bedrohte Artenvielfalt am Oberrhein

    Notwendiger Nachtrag:
    Die wenigen, erhalten gebliebenen, historischen Altstädte, die Weidbuchen und die restlichen Naturschutzgebiete am Oberrhein verbindet eines: Sie sind zunehmend Inseln in einem Meer von Scheußlichkeit.

    Axel Mayer





    Linkliste 2019: Natur & Naturschutz Oberrhein / Elsass:






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    Wo sind die vielen NaturschützerInnen & BiologInnen
    in den wichtigen, aktuellen Naturschutzkonflikten am Oberrhein? Es gibt am Oberrhein eine Vielzahl von Menschen mit einem großen Wissen und Sachverstand in Sachen Natur und Umwelt. Doch in den großen Konflikten um unsere bedrohte Restnatur, sei es beim IRP, beim Schmetterlingssterben, bei den Themen Flächenverbrauch und Zersiedelung halten sie sich meist "vornehm" und schüchtern zurück und überlassen die öffentliche Debatte & Leserbriefe den gut organisierten Lobbyisten und dem Stammtisch. Manche Spezialisten sehen auch nur ihr "Lieblingsbiotop" und vergessen darüber den großen Zusammenhang. Nur gemeinsam können wir wir die aktuellen Zerstörungsprozesse bremsen!
    Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer









    Weidbuchen im Schwarzwald: Alle Infos








    "Die Wahrheit", Warnungen & Hinweise 2019:
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    • 3) Im Zweifel ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte immer noch eine gute Quelle zur Orientierung.

    Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer
    Getragen von der Hoffnung auf das vor uns liegende Zeitalter der Aufklärung (das nicht von selber kommen wird wie die Morgenröte nach durchschlafener Nacht)


    Aktueller Einschub vom 7.11.2019:

    Grüne Kreuze & Artenausrottung in Deutschland 2019: Neue Studien


    Während gerade bundesweit Landwirte mit Grünen Kreuzen & Demos für Agrargifte & Glyphosat demonstrieren, gab es neue, erschreckende Studien:

    Vogelsterben


    "Die Fachgruppe „Vögel der Agrarlandschaft“ der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft hat mit Unterstützung des DDA ermittelt, dass die Zahl der abnehmenden und stark abnehmenden Arten von 55 Prozent auf 68 Prozent gestiegen ist. Die Bestandsrückgänge von Rebhuhn (89 Prozent seit 1992), Kiebitz (88 Prozent seit 1992), Feldlerche (45 Prozent seit 1992) und vieler weiterer Arten halten nicht nur an, sie haben sich sogar noch beschleunigt. Als wesentliche Ursache für die Bestandsrückgänge sehen die Fachleute die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft, insbesondere durch Pestizideinsatz, starke Düngung, den Verlust von Landschaftselementen wie Ackerbrachen und die Einengung der Fruchtfolgen.
    Quelle: Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e.V.

    Insektensterben


    Der Rückgang der Insekten und Spinnen in Deutschland reicht weiter, als bislang angenommen. Seit 2009 ist etwa ein Drittel aller Arten aus Wiesen und Wäldern verschwunden. Die Auswertung ergab insgesamt: Sowohl die Zahl der Insektenarten nahm massiv ab wie auch die Biomasse – allein auf den Wiesen um mehr als zwei Drittel. Der Insektenschwund war überall dort besonders stark, wo die Wiesen von Ackerland umgeben waren. Damit weist das Forscherteam um den Ökologen Sebastian Seibold darauf hin, dass die Hauptursache in der Landwirtschaft zu finden ist.
    Quelle: Studie der TU München

    Lügen


    Der Bauernbund bezeichnet das Insektensterben als „Agrarlüge“
    Landwirte sollen ein Mitschuld am Insektensterben haben? Davon will der Bauernbund nichts wissen. Geschäftsführer Reinhard Jung spricht von der „größten Agrarlüge seit BSE“... Landwirte tragen aus Sicht des Brandenburger Bauernbunds gar keine Mitschuld am Insektensterben. „Die Behauptung des Nabu, in den letzten 25 Jahren sei die Masse der Insekten um mehr als 70 Prozent zurückgegangen, können wir nicht nachvollziehen“, sagte Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel. „Fest steht allerdings, dass sich auf landwirtschaftlicher Seite die Lebensbedingungen für Insekten in den letzten 25 Jahren nicht verschlechtert haben.“
    Quelle: Märkische Allgemeine vom 25.3.2019








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    Dieser Artikel wurde 10089 mal gelesen und am 26.4.2019 zuletzt geändert.