Diese Seite ausdrucken

Der Wolf am Oberrhein und in Baden-Württemberg: Der Schwarzwald - Wolf aus dem Schluchsee wurde erschossen

08.08.2017

Der Schwarzwald - Wolf aus dem Schluchsee wurde erschossen



Es gibt Menschen, die bedrohte Tiere besonders dann lieben, wenn diese weit genug von Deutschland entfernt leben (Rettet die Wale & Nashörner). Doch unser badisches Nashorn ist der Wolf. Für ihn tragen wir Verantwortung.
Der tote Wolf, der am 8. Juli aus dem Schluchsee geborgen wurde, ist erschossen worden. Bei der Untersuchung des toten Tiers wurde ein Projektil in der Leber gefunden.
Der erschossene Wolf zeigt eines deutlich: Die Wiederkehr und das Erstarken steinzeitlichen Denkens in einer Gesellschaft, in der alle scheinbaren "Fraßfeinde" gnadenlos bekämpft werden. Doch im Gegensatz zum Märchen frisst heute nicht der Wolf die "sieben Geißlein", sondern der Straßenverkehr, der Feinstaub, der Klimawandel, die Neonicotinoide und die Atomkraft.
Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer


Der Wolf am Oberrhein und in Baden-Württemberg: Nicht ausgestorben, sondern ausgerottet.
Unser "badisches Nashorn" ist der Wolf!



Text einer Presseerklärung des BUND Regionalverband aus dem Jahr 2016 mit einem "kleinen aktuellen Zusatz"

"Der langsam zurückkehrende Wolf war in Deutschland lange ausgestorben" steht immer wieder in den Medien.

"Ausgestorben" ist ein seltsam beschönigendes Neusprech-Wort. Es klingt nach "still von uns gegangen". Bekämpft, verfolgt, ausgerottet, ausgemerzt..., diese Begriffe beschreiben den Umstand des "Aussterbens" ein wenig treffender.

Jetzt kommt der Wolf langsam zurück und wie wird er empfangen?
Der tote Wolf, der am 8. Juli aus dem Schluchsee geborgen wurde, ist erschossen worden!

Wir zitieren aus einer Stellungnahme des BLHV „Badischer Landwirtschaftlicher Hauptverband e.V.“:
"Der BLHV spricht sich gegen eine Wiederbesiedlung von Baden-Württemberg durch den Wolf aus. (...) Der BLHV kritisierte auch die verbreitete Willkommenskultur für den Wolf. Diese sei der ländlichen Bevölkerung und den Weidetierhaltern im Besonderen nicht zu vermitteln."

"In Zeiten eines, auch durch die industrielle Landwirtschaft ausgelösten Artensterbens haben wir gegenüber bedrohten Arten eine Bringschuld", meint BUND-Geschäftsführer Axel Mayer.

Fünf Mal gab es in den vergangenen 540 Millionen Jahren gewaltige Artensterben, zeigen Fossilienfunde. Forscher sehen eine aktuelle, menschengemachte, sechste Welle im Zeitalter des Anthropozän in vollem Gange. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen zur Artenvielfalt sterben bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten täglich aus.

Es ist gut und wichtig, dass sich Medien und Öffentlichkeit verstärkt mit Themen wie dem bedrohten Blauflossenthunfisch, dem gefährdeten Great Barrier Reef, der Abholzung des Dschungels in Amazonien und der Ausrottung der Nashörner in Afrika und Asien beschäftigen. Doch unsere "badischen Nashörner" sind Wolf, Luchs, Wildkatze und Schmetterlinge. Für sie tragen wir Verantwortung.

Die Rückkehr einzelner, überlebender Tierarten nach Baden ist leider immer noch keine Trendumkehr im anschwellenden globalen Artensterben. Sie wird im zunehmend natur- und wildtierfeindlichen Umfeld am Oberrhein auch nicht einfach und darf nicht idealisiert werden. (Neue Hochgeschwindigkeitstrasse der Bahn, Autobahnausbau, Industrialisierung der Landwirtschaft, zunehmende Verlärmung, Klimawandel...)

"Der BLHV sagt, dass das Auftauchen des Wolfes das Aus für die Weidehaltung bedeuten würde. Das Gegenteil ist richtig: In den allermeisten Ländern Europas, wo es noch große Flächen mit intakter Weidekultur gibt, leben gleichzeitig Wölfe. Wie schaffen es die Menschen, die dort auf das Vieh aufpassen, mit den Wölfen zurechtzukommen? Sie halten die Wölfe auf Distanz mit traditionellen Systemen (Herdenschutzhunde) oder modernen Ergänzungen (doppelte Zäune). Es ist im Schwarzwald noch offen, in welche Richtung sich die Jagdtradition von jungen Wolffamilien ausbilden wird, daher kann man auch noch gar nicht sagen, was genau möglich ist und was nicht möglich ist. Und bei den technischen Schutz-Möglichkeiten sind wir sicher erst am Anfang. Es gibt durchaus Vergrämungsmaßnahmen, die ausgelöst werden können, wenn sich Wölfe einer Herde nähern. Diese dienen nur als Ergänzung zu der zielführenden Variante Herdenschutzhund", meint der Biologe und BUND-Vorstand Carsten Brinckmeier.

Nach seiner Ansicht könnte auch eine weitere, ohnehin sinnvolle Entwicklung helfen: "Die Tierwelt der halboffenen Weidelandschaften in Baden-Württemberg ist verarmt. In Weideschwerpunktgebieten, die dann auch gezielter gefördert werden könnten, wäre auch der Herdenschutz einfacher. Damit wäre auch dort der Wolfsschutz einfacher. Und Landwirte könnten in Zeiten des Rückgangs landwirtschaftlicher Erlöse zu Experten im Umgang mit Wildtieren werden und würden dafür entlohnt."

Es macht wenig Sinn, wenn sich Verbände „gegen die Wiederbesiedlung durch den Wolf“ aussprechen – denn das angesprochene Wildtier entscheidet selbst wo es zur Jagd geht und seine Nachkommen aufzieht. Dass er dabei nicht erheblich beeinträchtigt werden darf, ist glücklicherweise europaweit abschließend geklärt und auch in unseren nationalen Gesetzen verankert. Bisher ist nicht absehbar, ob und wann sich ein Rudel im Schwarzwald etablieren wird.

Wir sollten Mensch, Landwirtschaft und Wolf nicht gegeneinander ausspielen, sondern weiterhin gemeinsam nach guten, machbaren Lösungen suchen. Viele Schritte in die richtige Richtung, wie das Wolfsmanagement mit dem Ausgleichsfonds der Naturschutzverbände für Wolfsrisse und dem Leitfaden zum Umgang mit einzelnen Wölfen, sind schon getan.

Axel Mayer, BUND-Geschäftsführer


Der Wolf am Oberrhein und in Baden-Württemberg: Nicht ausgestorben, sondern ausgerottet.
Unser "badisches Nashorn" ist der Wolf!



Mehr BUND-Infos zum Thema Wolf finden Sie auf der Homepage des BUND-Landesverbandes




BUND für den Wolf


Der BUND-Landesvorstand hat am 17.10.2015 die folgende Position verabschiedet:

"Der BUND-Landesverband setzt sich dafür ein, dass Wölfe in Baden-Württemberg ihren ehemaligen Lebensraum wieder besiedeln können und unterstützt die Bemühungen, gute Bedingungen für das Überleben einwandernder Wölfe zu schaffen. Er wendet sich gegen die Verbreitung falscher Tatsachen über den Wolf und das Schüren von Ängsten und Ablehnung gegenüber dem Wolf. Wir tragen die Kommunikationsprojekte der Forstlichen Versuchsanstalt mit, in denen Kenntnisse über den Wolf vermittelt werden und um Akzeptanz für den Wolf geworben wird. [...].

Der BUND Landesverband Baden-Württemberg wendet sich entschieden gegen alle Versuche auf deutscher und europäischer Ebene, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen und seinen Schutzstatus in der FFH-Richtlinie zu verändern. [...]."
Wolf-Handlungsleitfaden und Wolfs-Ausgleichsfonds

Um die Akzeptanz von Wölfen in der Bevölkerung zu steigern hat das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg den „Handlungsleitfaden Wolf“ veröffentlicht. Der BUND hat daran mitgearbeitet und unterstützt die darin enthaltenen Leitlinien und Konzepte.

Damit die Akzeptanz für den Wolf auch bei Nutz- und HobbytierhalterInnen wächst, hat der BUND zusammen mit anderen Naturschutzverbänden einen Wolfs-Ausgleichsfonds eingerichtet. Aus dem Fonds können Entschädigungen an EigentümerInnen von nachweislich durch Wölfe gerissenen Nutztieren bezahlt werden. Ein Rechtsanspruch auf die Zahlungen besteht nicht, da Wölfe wie alle anderen freilebenden Wildtiere „herrenlos“ sind und es keine Verpflichtung gibt, von ihnen verursachte Schäden auszugleichen.

Wichtig ist, dass die Landesregierung klare Förderwege aufzeigt, um tierhaltenden Betrieben die Anschaffung von wolfssicheren Zäunen und Herdenschutzhunden zu erleichtern, damit es gar nicht erst zu Nutztierrissen kommt. Nötig wird das spätestens dann, wenn sich ein oder mehrere Wolfsrudel in Baden-Württemberg etablieren. Eine entsprechende Förderung ist bereits jetzt aus der Landschaftspflegerichtlinie möglich.

Hier können Sie die Sichtung eines Wolfes oder von Wolfsspuren melden:


Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
Abteilung Waldnaturschutz
– Arbeitsbereich Wildtierökologie –
Anrufbeantworter der FVA – wird alle 24 Stunden abgehört:
Tel.: 0761 / 4018-274

E-mail: wildtiermonitoring.fva-bwforst.bwl.de








Interessieren Sie sich für Naturschutzthemen am Südlichen Oberrhein?
Dann können Sie sich nach einem Klick rechts
in den regionalen BUND-Naturschutz-Newsletter eintragen!


Wo sind die vielen NaturschützerInnen & BiologInnen
in den wichtigen, aktuellen Naturschutzkonflikten am Oberrhein? Es gibt am Oberrhein eine Vielzahl von Menschen mit einem großen Wissen und Sachverstand in Sachen Natur und Umwelt. Doch in den großen Konflikten um unsere bedrohte Restnatur, sei es beim IRP, beim Schmetterlingssterben, bei den Themen Flächenverbrauch und Zersiedelung halten sie sich meist "vornehm" und schüchtern zurück und überlassen die öffentliche Debatte & Leserbriefe den gut organisierten Lobbyisten und dem Stammtisch. Manche Spezialisten sehen auch nur ihr "Lieblingsbiotop" und vergessen darüber den großen Zusammenhang. Nur gemeinsam können wir wir die aktuellen Zerstörungsprozesse bremsen!
Axel Mayer






Richtig wichtig! Ihnen gefällt diese Seite? Legen Sie doch einen Link:
<a href="http://www.bund-rvso.de/wolf-oberrhein-baden-wuerttemberg-rueckkehr.html">Der Wolf am Oberrhein und in Baden-Württemberg: Der Schwarzwald - Wolf aus dem Schluchsee wurde erschossen</a>

Weitersagen
Twitter Facebook

Dieser Artikel wurde 1672 mal gelesen und am 10.8.2017 zuletzt geändert.